Das Schicksal der Deutschen im Banat 1944-1951


Die Zeit nach dem Umsturz vom 23. August 1944 bis zur Baragan-Deportation im Juni 1951

Als nationale Minderheit befanden sich die Banater Schwaben stets in einer schwierigen Lage. Zutreffend wurde dieser Zustand von einem Banater Publizisten folgendermaßen beschrieben:

Es gibt im europäischen Südosten wohl kaum einen Volksstamm, der vom Krieg und seinen Folgen ärger betroffen worden wäre als die Banater Schwaben.
Als Minderheit in einem andersnationalen Staat waren die Schwaben in unruhigen Zeiten immer wieder der politischen und chauvinistischen Willkür ausgesetzt, die von Schikanen in der Kultur- und Schulpolitik, Entfaltungsbegrenzung im öffentlichen Leben, staatspolitisch geförderten Entnationalisierungstendenzen bis zur Entrechtung und Existenzbedrohung bzw. Verschleppung reich­te.
In ihrer wenig beneidenswerten Lage, als loyale Staatsbürger auf der einen Seite und ihrer Zuneigung zum deutschen Mutterlande auf der anderen, waren die Banater Schwaben in den Schicksalsstunden ihrer Geschichte immer wieder vor schwere Entscheidungen gestellt.
Mitte der vierziger und Anfang der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts konnten sie solche Entscheidungen nicht mehr eigenmächtig treffen. Infolge der Ereignisse vom 23. August 1944 mussten sie sich den Entscheidungen anderer fügen und waren nicht mehr in der Lage, über ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Mit diesem Datum begann für die Rumäniendeutschen ein Leidensweg, der mit Verfolgung, Entrechtung, Enteignung und Deportation den Beginn ihres endgültigen Heimatverlustes einleitete.

Die letzte eigenmächtig zu treffende Entscheidung

Die letzte eigenmächtig zu treffende Entscheidung war die, ob man vor der heranrückenden Sowjetarmee flüchten und damit die Heimat aufgeben oder ob man bleiben sollte. Pläne für eine organisierte Evakuierung lagen nicht vor.

Aus den mittlerweile in großer Anzahl erschienenen Ortsmonographien, aus den veröffentlichten Erlebnisberichten und aus anderen Quellen erfährt man die Anzahl der Geflüchteten, dass Flüchtlingstrecks in langen Wagenkolonnen der ungarischen und jugoslawischen Grenze zustrebten.
Man erfährt aber auch, dass nicht alle über die Theiß und die Donau kamen, dass viele umkehrten oder von Tito-Partisanen überfallen und ausgeraubt wurden.
Manchen erging es noch viel schlimmer. Wie in der Gertianoscher Ortsmonographie vermerkt, wurde eine solche Wagenkolonne bei Tschesterek von Partisanen überfallen, die Frauen und Kinder von den Männern getrennt. 250 Männer, unter ihnen Tierarzt Dr. Weber, Rechtsanwalt Dr. Ortinau, Vizenotär Linzer, Johann Braun, Attila Schmidt und Peter Schwarz aus Billed, Männer aus Gertianosch, Kleinjetscha, Sackelhausen und anderen Ortschaften wurden, obwohl sie rumänische Staatsbürger und keine Soldaten waren, in Großbetschkerek erschossen.

Die an ihren Wohnorten Verbliebenen waren recht- und wehrlos den Willküraktionen rumänischer staatlicher Stellen und von privater Seite ausgeliefert.
Gleich in den ersten Tagen nach dem Umsturz mussten die Deutschen eventuell vorhandene Waffen, Radiogeräte, Kraftfahrzeuge, Fahrräder, Fotoapparate und anderes Eigentum abliefern. Sie mussten sich bei der Polizei registrieren lassen und eine Verpflichtung unterschreiben, in der auch ihre deutsche Volkszugehörigkeit vermerkt war, in der verlangt wurde, dass sie sich auf Befehl innerhalb von zwei Stunden bei der Polizei meldeten.
Anhand dieser Registrierung wurden später die Namenslisten für die Russlanddeportation angefertigt.
Es kommt zu Verhaftungen, die zuerst alle Amtswalter der Deutschen Volksgruppe und die deutschen Bürgermeister betraf.
Infolge der Anordnung, dass in jeder Ortschaft mit deutscher Bevölkerung drei führende deutsche Persönlichkeiten zu verhaften sind, wurden auch Volksschullehrer und andere angesehene Dorfbewohner verhaftet. Ihnen folgten die Redakteure deutscher Zeitungen, prominente Unternehmer, Geschäftsleute, Ärzte und Pfarrer.
Über verschiedene Gefängnisse gelangten sie in das Konzentrationslager von Targu-Jiu, in das Gefangenenlager Slobozia oder nach Turnu-Magurele.

Noch vor dem Eintreffen der russischen Truppen im Banat versuchte jeder sein bewegliches Hab und Gut zu verstecken und es vor Raub zu schützen. Es wurden Verstecke im Kamin, auf dem Dachboden und an anderen Stellen ausgemacht, viele Sachen und Wertgegenstände wurden eingemauert oder vergraben.

Plünderungen, Raubüberfälle, Vergewaltigungen und Erschießungen auf der Tagesordnung

Außer den staatlich verordneten Maßnahmen gegen die Deutschen kam es in den Städten, aber vor allem in den von Deutschen bewohnten Dörfern zu Ausschreitungen. Plündernde Banden überfielen die Dörfer und raubten, was sie vorfanden. Bei solchen Raubüberfällen kamen Deutsche auch zu Tode wie es z.B. in Kleinsanktpeter der Fall war, wo sich Georg Engelmann räuberischen Zigeunern entgegenstellte und von diesen erschlagen wurde.

Obwohl die russischen Kommandanten die Ordnung und Disziplin ihrer Truppen aufrechterhalten wollten, gelang dies nicht immer, so dass Raubüberfälle auf Straßenpassanten, Plünderungen in Wohnhäusern, Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen auf der Tagesordnung standen.
In vielen Ortschaften kam es zu Erschießungen. Der bekannte und angesehene Rechtsanwalt und Vizebürgermeister von Temeswar, Dr. Franz Schmitz, wurde von russischen Soldaten, denen sich etliche junge Serben aus Ketfel in russischen Uniformen zugesellt hatten, in einem Maisfeld an der Ketfeler Hutweide durch zwei Genickschüsse ermordet. Man kannte die Täter, doch wurden sie nie zur Verantwortung gezogen. Es waren dieselben, die den Lehrer Neidenbach aus Kleinsiedel und den Gastwirt Gärtner ermordet hatten.

Opfer von Überfällen wurden in Billed Michael Hahn und Anton Mayer. Die Leichen des alten Feldhüterehepaares Anton und Elisabeth Götter fand man in den Billeder Weingärten, wo sie im Feldhüterhaus wohnten. Über ähnliche Erschießungen berichten zahlreiche Dorfmonographien.
Im Lowriner Heimatbuch wird über die Ermordung des Direktors der Pesaker Ziegelei, Dr. Michael Reitter, berichtet, der mit seiner Frau von einem russischen Vortrupp, der in der Ziegelei Quartier bezog, erschossen wurde.

Sehr gewalttätig ging es auch in Sanktmartin bei Arad zu. Im Heimatbuch dieses Dorfes ist folgende Schilderung zu finden:
"Die Fronttruppen zogen rasch weiter, doch am folgenden Morgen, am 14. September 1944, war der Teufel los. Da marschierten die Nachschubtruppen ein. Es blieb kein Pferd mehr im Stall; Pferde und Wagen wurden einfach mitgenommen. Schweine, Gänse, Enten und Hühner mussten daran glauben, vor allem machten sie den Weinkeller leer. Es ging eine schreckliche Plünderung los, in so manchen Häusern blieb kein Schrank verschont. Abends begann die Jagd nach Mädchen und Frauen, weshalb sich diese nicht mehr auf die Straße trauten und sich zu Hause meist als alte Frauen verkleidet und mit vorgezogenem schwarzen Kopftuch versteckt hielten.
Nach dem Abzug der Russen waren die Dorfbewohner schutzlos der Willkür des Pöbels ausgeliefert, der ungehindert raubte und plünderte, solange noch etwas im Haus, Hof und Stall zu finden war."


In Warjasch ließen die Russen wieder ohne Grund und Ursache als erstes Opfer den Dorfrichter Franz Müller erschießen. Nur selten gelang es den in den Dörfern verbliebenen älteren Männern (die jüngeren waren ja alle Soldaten), eine Art Bürgerwehr zu bilden, und, obwohl unbewaffnet, die Plünderer zu verjagen.

Deportation zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion

Eine andere Aktion, die wieder nur die Deutschen in Mitleidenschaft zog, war die im Januar 1945 einsetzende Deportation der 16 bis 45 Jahre alten Burschen und Männer und der 17 bis 32 Jahre alten Mädchen und Frauen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion. Sie hinterließ in den Banater schwäbischen Dörfern und Städten Verzweiflung, Trauer und tiefe Hoffnungslosigkeit.
Viele Kinder blieben jetzt auch ohne Mütter zurück und mussten bei den Großeltern, Verwandten oder Nachbarn aufwachsen, bis ein Elternteil von der Russlanddeportation oder aus der Kriegs­­gefangenschaft heimkehrte.

Wie es den über 35.000 aus dem Banat Deportierten erging, wie viele nicht mehr heimkehrten und in russischer Erde begraben liegen, ist in den Banater Ortsmonographien und Heimatbüchern nachzulesen.
Viele, die mit den Krankentransporten heimkamen oder in der russischen Besatzungszone Deutschlands landeten, starben bald danach oder blieben mit vielerlei Gebrechen behaftet.

Einteignung mit dem Knüppel

Ein neuerlicher Schlag, der wieder nur die Deutschen traf, folgte mit dem Dekretgesetz Nr. 187 vom 23. März 1945, das die gänzliche und entschädigungslose Enteignung der gesamten deutschen Bauernschaft und Feldbesitzer vorsah.
Über diese Enteignung wurde im Allgemeinen schon oft berichtet, dass den deutschen Bauern das Feld, das Vieh, das landwirtschaftliche Inventar und die Häuser genommen wurden und dass sie in ihre Häuser die sogenannten rumänischen Kolonisten aufnehmen und ihnen Wohnraum abtreten muss­ten. Wie das aber praktisch durchgeführt wurde, unter welch erniedrigenden und menschenunwürdigen Umständen eine solche Enteignungsprozedur für den deutschen Be­sitzer verlief, können am kompetentesten die betroffenen Zeitzeugen beschreiben.
(Josef Huber, ein Opfer der Enteignung - Bericht von Josef Herbst im Heimatblatt 2014, Seite 112)

Im Band 3 der „Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa“, welcher das Schicksal des Deutschtums in Rumänien behandelt, wird festgehalten, dass durch diese Bodenreform nicht nur die Existenzgrundlage des deutschen Bauernstandes vernichtet, sondern zugleich auch die Geschlossenheit der deutschen Bauerndörfer durch die Hinzuführung ortsfremder Kolonisten gesprengt wurde.
Als Beispiele werden unter anderen folgende Dörfer angeführt:

  • Lenauheim hatte 1941 genau 2.421 deutsche und 52 rumänische Einwohner; 1948 nur noch 1.717 deutsche, aber schon 1.718 rumänische Einwohner.
  • Hatzfeld zählte 1941 noch 7.245 deutsche und 859 rumänische Einwohner; 1948 nur noch 5.489 deutsche und 3.422 rumänische Einwohner.
Durch diese allein auf die Deutschen bezogene Enteignung wurden im Komitat Temesch-Torontal 54.612 Besitzer mit 205.607 ha Feldbesitz, das sind 357.205 Joch, enteignet.

Ein schlimmes Schicksal war auch denjenigen beschieden, die geflüchtet waren, aber von der Front überrollt wurden oder in solche Gebiete gelangten, die unter sowjetische Besatzung kamen. Sie wurden gezwungen, ins Banat zurückzukehren, wurden unterwegs wiederholt ausgeraubt, hatten alles verloren und standen zuletzt nach ihrer Rückkehr vor ihren, von Kolonisten besetzten Häusern. Sie mussten sich anderwärts eine Unterkunft und Arbeit suchen.

Auf die Enteignung der Bauern folgte die der Gewerbetreibenden, der Kaufleute und mit dem 11. Juni 1948 die Enteignung sämtlicher Industrieller und aller noch in Privathand befindlicher Unternehmen.
Diese Enteignungen betrafen nicht nur die deutschen Besitzer, sondern alle anderen auch.

Sämtliche Schulgebäude, Internate, Apotheken, Miet- und Krankenhäuser wechselten in Staatseigentum über. Damit begann eigentlich der von der kommunistischen Ideologie propagierte Klassenkampf.

Artikel über die Bodenreform in der Siebenbürgischen Zeitung von Dr. Michael Kroner

Umerziehung der deutschen Bevölkerung

Im Dezember 1948 fasste das Politbüro der Rumänischen Arbeiterpartei einen Beschluss zwecks ideologischer Umerziehung der deutschen Bevölkerung. Das neu gegründete Deutsche Antifaschistische Komitee sollte diese Umerziehung durchführen.
1949 begann seitens der Partei der Druck auf die Feld besitzende Bauernschaft, sich zu landwirtschaftlichen Kollektivwirtschaften zusammenzuschließen. Den Widerstand der Bauern brach man mit hohen und immer höher werdenden Abgabequoten an Getreide und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Damit hatten die ehemaligen deutschen Feldbesitzer kein Problem, denn sie besaßen ja kein Feld mehr. Sie arbeiteten als Taglöhner oder als angestellte landwirtschaftliche Arbeiter auf den Feldern und in den Viehställen der Staatsgüter oder in den landwirtschaftlichen Maschinen- und Traktorenstationen, als Fabrikarbeiter in den Städten oder als Maurer und Handlanger auf den staatlichen Baustellen.

Die seit dem 13. März 1949 als Organ des Deutschen Antifaschistischen Komitees der Rumänischen Volksrepublik in deutscher Sprache erscheinende Tageszeitung Neuer Weg hatte die Aufgabe, die Politik der Regierung und der Rumänischen Arbeiterpartei zu vertreten und zu erläutern, um die deutsche Bevölkerung für die Ziele des Sozialismus und Kommunismus zu gewinnen.
Andererseits aber entwickelte sie sich zu einem wichtigen Vermittler für Kultur, Kunst und Literatur. Damit leistete sie einen Beitrag zur Erhaltung der Identität der Deutschen in Rumänien.

Mit dem 7. September 1950 ging die sechs Jahre dauernde Rechtlosigkeit zu Ende und mit der Zuerkennung des Wahlrechts erlangten die Deutschen wieder ihre staatsbürgerlichen Rechte. Auch hatten sie wieder Schulen in ihrer Muttersprache, ein deutsches Staatstheater in Temeswar; es erschienen wieder deutschsprachige Bücher und man konnte ganz offen deutsch reden.

Die sich anbahnende scheinbar friedlichere Zeit erlitt 1950 einen Rückschlag durch die zunehmende Verfolgung der Geistlichen, vorwiegend der katholischen Kirche. Verhaftet und zu vielen Gefängnisjahren verurteilt wurde Bischof Dr. Augustin Pacha wie auch viele Domherren, Dechante, Priester und Ordensschwestern.

Deportation in die Baragan-Steppe Rumäniens

Als nach der Heimkehr der Russlandverschleppten und eines Großteils der Kriegsgefangenen im Frühjahr 1951 die so schwer geprüften Banater Schwaben eine sich allmählich anbahnende Verbesserung ihrer Lage zu verzeichnen glaubten, geschah das, womit im Sommer 1951 keiner mehr rechnete, nämlich eine neuerliche Deportation, dieses Mal nicht nach Russland, sondern in die Baragan-Steppe Rumäniens.
Damit begann wieder eine Leidenszeit für Tausende Banater Schwaben. Doch jetzt betraf es nicht nur sie allein wie 1945, als nur Deutsche zur Zwangsarbeit deportiert wurden.

Aus 297 Ortschaften der Banater Grenzzone und des südwestlichen Olteniens wurden 12.791 Familien mit 40.320 Personen: Rumänen, Deutsche, Serben, Ungarn, Bulgaren und andere in die Baragan-Steppe deportiert. Sie mussten 18 Dörfer eigenhändig erbauen und jahrelang unter zwangsaufenthaltsmäßigen Bedingungen leben.
Bis Mitte der neunziger Jahre blieb die ethnische Zusammensetzung der Deportierten unbekannt. Erst nach der Beseitigung der kommunistischen Machthaber konnte Einsicht in die diesbezüglichen Archivalien genommen und die Anzahl der deportierten Familien und Personen bestimmt werden. Alle bis zu diesem Zeitpunkt gemachten Angaben beruhen nicht auf amtlichen Unterlagen, sondern auf Aussagen betroffener Personen und auf Hochrechnungen.

Heute weiß man, dass ungefähr ein Viertel der Deportierten aus den Reihen der deutschen Bevölkerung der Grenzzone stammte. Genaue Angaben sind zahlenmäßig, oft auch namentlich in den Ortsmonographien vermerkt.
Zur Ermittlung der Anzahl der deportierten Deutschen dienten die sehr präzisen Mitteilungen der Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaften der von der Deportation betroffenen Dörfer.

Die Aussage, dass der Großteil der Deportierten Deutsche waren, ist dann zutreffend, wenn der Vergleich mit den anderen Betroffenen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl angestellt wird.
Die meisten Deutschen wurden aus Billed mit 529 Personen deportiert. Zahlenmäßig folgt Triebswetter mit 527, Lenauheim mit 496, Hatzfeld mit 486, Ostern (Kleinkomlosch) mit 436, Großjet­scha mit 388, Perjamosch mit 377, Warjasch mit 341, Bogarosch mit 295, Lowrin mit 274, Johannisfeld mit 253, Gottlob mit 236, Ulmbach mit 229, Grabatz mit 224, Sackelhausen mit 224 Deutschen.

Stellt man Vergleiche an, so gelangt man zur Erkenntnis, dass große Unterschiede in der Anzahl der Deportierten zwischen Ortschaften mit gleichgroßer deutscher Bevölkerung und ehemals ähnlichen wirtschaftlichen Verhältnissen bestehen. Zum Vergleich nenne ich Alexanderhausen mit nur 48 und Ostern mit 436 deportierten Deutschen.
Man stellt auch fest, dass in manchen Ortschaften mit einer geringeren und weniger wohlhabenden Einwohnerschaft mehr Personen deportiert wurden als aus Ortschaften mit einer zahlreicheren und wohlhabenderen deutschen Einwohnerschaft.
Man vergleiche Marienfeld mit nur 160 und Johannisfeld mit 253 deportierten Deutschen.
Obwohl die Zahl der Deutschen in Triebswetter bedeutend weniger betrug als die in Hatzfeld, wurden aus Triebswetter 527 und aus Hatzfeld 486 Deutsche deportiert.
Diese widersprüchlichen Verhältnisse lassen die Vermutung zur Gewissheit werden, dass nicht allerorts dieselben Kriterein angewandt wurden. Damit erhärtet sich auch die Vermutung vieler ehemaliger Deportierter, dass oft auch persönliche Interessen, Neid oder Rachsucht die Entscheidung derjenigen beeinflusste, die für die Anfertigung der Deportationslisten zuständig waren. So wurden Personen auf die Listen gesetzt, die in keine der für die Deportation ausschlaggebenden Kategorien passten, aber an Stelle anderer gehen mussten.
Es wurden auch absichtlich bestimmte Personen auf die Liste gesetzt, um sich ihre zurückbleibenden Sachen aneignen zu können.
Ebenso wurden Personen und Familien, die den örtlichen Behörden nicht genehm waren, aus den jeweiligen Ortschaften entfernt, indem sie in die Listen eingetragen und so in den Baragan abgeschoben wurden.

Wie es denen erging, die in die Baragan-Steppe gelangten, was sie arbeiteten, wer sich für sie einsetzte und wie sie wieder heimkehrten, steht in den diesbezüglichen Dokumentationen, ist in allen Dorfmonographien der betroffenen Dörfer und in den bislang veröffentlichten Erlebnisberichten vermerkt.