Vor 100 Jahren: Urkatastrophe 1. Weltkrieg


Vor 100 Jahren: Urkatastrophe 1. Weltkrieg

Mein Großvater Michael Rosani als Honved, geboren am 27.06.1878 in Billed, gefallen in Serbien am 29.09.1914, wahrscheinlich bei seinem ersten EinsatzMein Großvater Michael Rosani als Honved, geboren am 27.06.1878 in Billed, gefallen in Serbien am 29.09.1914, wahrscheinlich bei seinem ersten Einsatz

Immer mehr Historiker sehen im
1. Weltkrieg die Urkatastrophe des
20. Jh.s, die sich über den 2. Weltkrieg fortgesetzt hat, in den Kalten Krieg gemündet ist und bis 1989 anhielt. Die Katastrophe nahm mit dem vor 100 Jahren ausgebrochenen
1. Weltkrieg ihren Anfang.

Kriegsschuld
Während der militärische Verlauf des Ersten Weltkrieges historisch dokumentiert und unbestreitbar ist, sind die Kriegsursachen- und schuld umstritten. Galt doch bisher allgemein unwidersprochen, dass Deutschland mit seinen Verbündeten die alleinige Kriegsschuld hat.
Im Versailler Diktatsvertrag wird im Artikel 231 festgesetzt: Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, dass Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden des Krieges verantwortlich sind (…).
Dies war und ist weitgehend immer noch die politisch korrekte Aussage. Aber es gibt immer mehr bedeutende Historiker, die dies bezweifeln, die dem widersprechen und eine Umschreibung der Schulbücher fordern.
Deutschland musste auf Grund dieser Schuldzuweisung- und anerkennung große Gebiete wie Esaß-Lohtringen, fast ganz Westpreußen, Posen u.a. abtreten, verlor alle seine Kolonien und musste 132 Milliarden Goldmark (ca. 47.000 Tonnen Gold) Kriegsschuld bezahlen.

Außerdem musste Deutschland 26% des Wertes seiner Ausfuhren an die Alliierten abgeben und Megatonnen Kohle umsonst liefern.
Nachdem zwischen 1933 und 1945 die Zahlung ausgesetzt war, zahlte Deutschland nach dem 2. Weltkrieg seine auferlegte Kriegsschuld samt Zinsen weiter.
Die letzte Rate dieser Kriegsschuld von 69,9 Millionen Euro wurde am 2. Oktober, 2010, 92 Jahre nach Kriegsende bezahlt!

Bildtafel mit einem Teil der 574 Billeder Militärangehörigen des 1. WeltkriegesBildtafel mit einem Teil der 574 Billeder Militärangehörigen des 1. Weltkrieges
Kriegsursachen und Gründe
Die Schüsse von Sarjewo, am 28. Juni 1914, mit denen der Österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und sein Gattin Sophie von Hohenburg ermordet wurden, waren nicht die Ursache des 1. Weltkrieges. Man kann das Attentat bestenfalls als Startschuss dazu bezeichnen.
Alle europäischen Mächte waren hochgerüstet und Kriegsbereit und alle, auch die kleinen Völker, hatten territoriale Erweiterungen als Kriegsziele.
Englands Europapolitik war seit Jahrhunderten auf ein Gleichgewicht zwischen den europäischen Großmächten Frankreich und Russland ausgerichtet. Nun war mit dem deutschen Kaiserreich eine dritte Großmacht erschienen.

Deutschland erlebte am Ende des 19. Jh.s ein Wirtschaftswunder. Seine Industrie, Wirtschaft und Handel entwickelten sich rasant, überflügelten Großbritannien, Wissenschaft und Technik verzeichneten große Fortschritte und auch Kulturell nahm Deutschland einen vorderen Rang in Europa ein.
Nun erwarb dieses Deutschland Kolonien, war auch dabei eine Flotte aufzubauen, die Koordinaten des alten Mächtespiels hatten sich verschoben. Für das die Weltmeere und ganze Kontinente beherrschende Britische Empire unakzeptabel.

Großbritannien hatte Pakistan erobert, seine Besitzungen in Indien, Asien und Afrika (Südafrika, Sudan, Suezkanal) konsolidiert. Zwischen Gibraltar und Japan gab es keinen Hafen, der praktisch nicht in britischer Hand war.

Frankreich, das Algerien und Madagaskar annektiert hatte, Indochina und Polynesien unterjocht hatte, konnte die Niederlage von 1871 nicht vergessen. Nicht nur auf Esaß-Lothringen, auch auf weitere linksrheinische Gebiete hatte man Anspruch, selbst von den Kelten und Galier wurden diese Ansprüche abgeleitet.

Russland, das Kasachstan, Mittelasien und die Mandschurei erobert und Wladiwostok gegründet hatte, wollte sich auch nach Westen erweitern.
Man beanspruchte die Dardanellen und redete von einem panslawischen Reich, mit der Zusammenfassung aller slawischen Völker unter dem russischen Zaren.

Italien hatte in einem sehr blutigen Krieg Abessinien unterworfen, Tripolis und Eritrea besetzt, aber auch nach Norden und nach Osten wollte sich Italien erweitern.

Auch der serbische König Peter wollte seine Herrschaft nach Süden erweitern. Bulgarien, Griechenland, Türkei sowie auch Rumänien hofften auf territoriale Erweiterungen durch einen Krieg.

Für Deutschland war der steigende Rüstungsvorsprung Frankreichs und Russlands Grund eines Präventivkrieges, Österreich hatte um seine morsch gewordene Vielvölkermonarchie zu kämpfen.
Vorbei waren die Zeiten des Reichkanzlers Bismark, der mit jedem gegen jeden Bündnisse schmieden konnte.
Frankreich war es gelungen Russland aus dem Dreikaiserbündnis zu locken und der Entente, einer französisch-englischen Allianz, anzuschießen.

Die Kriegsschuld, wie bisher allein dem deutschen Kaiser Wilhelm dem II. zugeschoben, ist nicht mehr haltbar. Wilhelm wollte nicht nach Osten marschieren, gegen seinen Vetter Nikolaus, nicht gegen die 2. französische Republik und nicht gegen seine Familie in London. Wilhelm II. hatte den U-Boot Einsatz und die Bombardierung verboten. Als man dies dennoch tat, war es ein Grund für das Eingreifen der Amerikaner, die den Krieg entschieden.

Das Kräfteverhätnis
Die Allianz der Mittelmächte bestand aus Deutschland, Österreich-Ungarn, der Türkei, auch Bulgarien war dazu gekommen, und Italien, das sich jedoch von der Entente abwerben lies, vertragsbrüchig wurde und ab Mai 1915 an der Seite der Entente in den Krieg trat.
Der Entente waren bis zum Kriegsende 32 Staaten beigetreten die über 50 Millionen Soldaten verfügten, während die Mittelmächte zusammen 25 Millionen Männer unter Waffen hatten.
Die Artillerieausstattung der Deutschen war moderner, als die der Alliierten, während England über doppelt so viele Schiffstonagen verfügte als Deutschland.
Kriegsentscheidend war jedoch der Kriegseintritt Amerikas, wonach den Achsenmächten fast unbegrenztes Nachschubpotential zur Verfügung stand, täglich kamen 1000 gut ausgerüstete US Soldaten an die West- und Südfront.

Kriegsverlauf
Österreich-Ungarn erklärte am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg. Durch die Mobilmachung Russlands fühlte sich das Deutsche Reich bedroht und erklärte Russland am 1. August 1914 den Krieg.
Es folgte am 3. August die Kriegserklärung an Frankreich, danach die Kriegserklärung Englands an Deutschland.
Damit war klar, dass für die Mittelmächte ein Zweifrontenkrieg ausgebrochen war. Europa war in Brand gesetzt.
Auch die Banater Regimenter in Temeswar, Arad, Großbetschkerek, Lugosch und Karansebesch wurden sofort mobilisiert.

Im Westen erzielten die deutschen Armeen wichtige Durchbrüche, kamen noch im August bis zur Marne und standen 60 km vor Paris, Belgien war fast vollständig besetzt. Doch dann kam der deutsche Angriff in‘s Stocken, im Westen erstarrte der Krieg zum Stellungskrieg, es war kein entscheidender Sieg möglich.

Auch im Osten verlief der Krieg nicht wie geplant. Die Russen schaffen den Durchbruch in Ostpreußen, erobern Lemberg und Teile Galiziens und schließen Przemysl ein.
Bei Przemysl standen 130.000 Österreicher 300.000 Russen gegenüber. Nach Monaten langer Belagerung musste die Festung kapitulieren, 110.000 Soldaten kamen in russische Gefangenschaft.
Doch es kam bald die Wende. Hindenburg besiegt die Russen bei Tannenberg, Ostpreußen wird befreit. Schon Anfangs 1915 durchbrechen deutsche und österreichische Truppen die Karpatenfront, die Russen fliehen, Przemysl und Ostgalizien werden zurückerobert, Warschau und Brest-Litowsk werden besetzt. Am 23. Mai 1915 erklärt Italien Österreich-Ungarn den Krieg, Schwerpunkt der Kämpfe wird der Isonzoabschnitt. Österreich-Ungarn kämpft nun im Süden gegen die Serben, im Südwesten am Isonzo und in den Dolomiten gegen Italien und im Osten gegen Russland.
Die Mittelmächte sind erfolgreich auf dem Balkan, wo sie Serbien, Montenegro und Albanien erobern.

Im Juni 1915 beginnt die erste Isonzoschlacht an der Italienischen Front, elf sollten folgen, ohne dass irgendeine Seite entscheidend siegen konnte. Erst die 12. Insonzoschlacht im Oktober 1917 bringt zunächst den Österreichern Vorteile, sie brechen durch bis zur Piave, die sie überschreiten, werden aber am Fluss von den mit Franzosen und Amerikanern verstärkten Italiener gestoppt.
Bei diesem Vorstoß kommen 200.000 Italiener in Gefangenschaft, doch auch die Österreichisch-Ungarische Armee wird sehr geschwächt.

Im Westen bringt das Jahr 1915 keine Entscheidung. Der massive Einsatz von Artillerie und Maschinengewehren steigert die Zahl der Gefallenen in die Millionen.
Im Februar 1916 beginnt die bis Oktober dauernde Schlacht bei Verdun. Die Verluste beider Seiten sind enorm, Aussicht auf Sieg besteht keine.
Ende 1916 unterbreiteten die Mittelmächte ein Friedensangebot, das die Alliierten jedoch ablehnten. Weitere geheime Friedensangebote Österreich-Ungarns wurden ebenfalls abgelehnt.
Auch das Jahr 1917 bringt keine Entscheidung.

Rumänien hatte sich von den Russen durch Versprechungen überreden lassen und am 27. August 1916 den Mittelmächten den Krieg erklärt. Doch in einer Art Blitzkrieg wurden die Rumänen von der Mackensenarmee besiegt, Bukarest wurde am 6. Dezember 1916 besetzt.
Ein rumänischer Truppenteil kämpfte jedoch an der russischen Front weiter. Mehrere Offensiven der Russen konnten zurückgeschlagen werden. Die Mittelmächte waren zur Gegenoffensive übergegangen und haben Galizien und die Bukowina zurückerobert.
Die Russen kämpften nach der Februarrevolution 1917 weiter, erst als die Bolschewicki an der Macht waren, kam es am 3. März 1918 zu dem für Deutschland vorteilhaften Friedensvertrag von Brest-Litowsk.

Das Jahr 1917 war von Notsituationen geprägt. Die Seeblockade Englands schneidet Deutschland von wichtigen Nahrungszufuhren ab. Die Menschen in den Großstädten hungern, die Heimatfront bricht zusammen, es gibt Unruhen.
Die Hauptarbeitslast tragen die Frauen.
An der Front sind die Angriffe erfolglos und die Verluste steigen. Die Engländer setzen erstmals Tanks (Panzer) ein.
Am 6. April 1917 erklärt Amerika Deutschland den Krieg.
Um den Amerikaner zuvorzukommen starteten die Deutschen an der Westfront mehrere Offensiven, die zunächst erfolgreich waren, aber immer wieder stecken blieben.
Im Juni 1918 dringen die Deutschen mit einer letzten großen Offensive wieder bis zur Marne vor, doch die Gegenoffensive der Alliierten wirft sie zurück in Ihre Stellungen.
Die Deutschen stehen tief in Frankreich, doch eine erneute Offensive ist nicht mehr möglich. Die Armee hält ihre Stellungen bis zur Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 11. November 1918.

Auch an der Italienfront war die Entscheidung gefallen. In der letzten Schlacht an der Piave wurde bis zum 4. November 1918 gekämpft. Schon im Oktober gab es Auflösungserscheinungen und Befehlsverweigerungen in der Armee. Die Soldaten der Nationalitäten waren nicht mehr bereit für Österreich zu kämpfen, Ungarn hatte sich aus dem Krieg zurückgezogen.
Am 4. November befahl die Oberste Heeresleitung die Rückführung aller Truppen von der Front.
Österreich-Ungarn schied ohne zu kapitulieren, unbesiegt aus dem Krieg aus.

Die Soldaten
Pfarrer Demele aus Jahrmarkt beschreibt in seiner Chronik über den 1. Weltkrieg wie sich im Dorf Grauen und Entsetzen breit machten, als die Trommel die Mobilisierung verkündete.
Dramatische Szenen spielten sich in den Familien ab, viele hatten ein Vorempfinden der zu erwartenden Entbehrungen, der kommenden Not, Trauer und Tod.
Aber auch große Begeisterung hatten die Jüngeren und hofften bald siegreich heimzukehren. Doch der Krieg sollte ein bisher nie dagewesene Intensität und Brutalität erreichen.
In dem Regimentsbuch „61. Unter Waffen“ wird der Kriegseinsatz des Temeswarer Hausregiments, des 61. K.u.K. Infanterieregiments, in dem viele unserer Landsleute gedient haben, beschrieben.
Das sofort mobilisierte Regiment war zunächst an der serbischen Grenze eingesetzt, erhielt jedoch schon am 30. August 1914 seine Feuertaufe an der Ostfront.
Das Regiment war nun ständig in verschiedene Gefechte verwickelt, und hatte viele Verluste.
Zum Unglück stellte sich die Cholera ein, der viele Soldaten zum Opfer fielen. Das Regiment blieb auch über den Winter ständig im Einsatz.
Im Mai wurden die „61.“ an die Italienfront verlegt, wo sie an den Isonzoschlachten teilnahmen.

Zuletzt kämpfte das Regiment an der Westfront. Von dort marschierten die „61.“ nach dem Waffenstillstand geschlossen quer durch Deutschland bis nach Rosenheim. Ab Rosenhein fuhren sie mit einem Eisenbahntransport zur Heimatgarnison Temeswar, wo sie abrüsteten.
(nach Wilhelm Weber B. Heimatblatt 21)

Im 1. Weltkrieg haben europaweit 9,56 Millionen Soldaten ihr Leben verloren.
Österreich-Ungarn hatte 7,8 Millionen Soldaten im Einsatz, von diesen sind
1,5 Millionen gefallen, darunter 134 Billeder.
Von diesen wurden acht Leichen nach Billed überführt und beerdigt, weitere sechs Billeder starben nach dem Krieg zu Hause an Folgen von Verwundungen oder Erkrankungen aus der Gefanngenschaft.

Eingezogen waren die Jahrgänge 1872 bis 1900, zuletzt wurden noch die 18jährigen eingezogen.
Viele von ihnen sind an Epidemien gestorben. Hunderttausende gerieten in Gefangenschaft, wo sie unter unvorstellbaren Verhältnissen, leben bzw. sterben mussten.
Berüchtigt ist das Gefangenenlager Sipotei bei Iasi. Über das „Golgotha Sipotei“ liegen mehrere Bücher vor.
Pfarrer Hans Krüger beschreibt das Schicksal der Gefangenen in dem Buch „Massenmord in der rumänischen Gefangenenhölle Sipotei“.
Nach seinen und den Angaben anderer Autoren haben dort von 17.269 eingelieferten Gefangenen nur 4.000 überlebt.
Von den im Oktober 1916 eingelieferten 4.000 Mann sollen nur 150 überlebt haben.
Unter den in Sipotei gestorbenen befinden sich auch die Billeder Nikolaus Frank und Johann Welter.
Andere Gefangene kamen in Lager in Sibirien oder in Kasachstan.
Die Billeder Adam Gilde und Jakob Mann sind in Turkestan gestorben.
Mehrere Billeder wurden in den Bürgerkrieg in Russland verwickelt und kamen erst 1920 wieder nach Hause.
Johann Mann (231) kam sehr abenteuerlich über Wladiwostok, China, Indien und den Suezkanal 1922 wieder in seinen Heimatort.

Neben dem großen Menschenverlust, dem Verlust von Wirtschafts- und Kulturgüter, der Verschiebung großer Territorien, dem Sturz der deutschen und österreich-ungarischen Monarchie, kamen in Folge des 1. Weltkrieges in Russland die Kommunisten an die Macht. Das den Deutschen aufgezwungenen Diktat von Versailles und Trianon hat den Nährboden für den Faschismus und Nationalsozialismus gebildet und wurde so Vorläufer für den nächsten, den 2. Weltkrieg.
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