Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts!


Medizinische Wunder

Medizinische Wunder? Nein, so was gibt es nicht! Diese Wunder sind die Ergebnisse harter Arbeit der Mediziner, Chemiker, Denker und Forscher. Heute nimmt man mit Selbstverständlichkeit die Medikamente ein, die der Arzt verschreibt, und man weiß, dass sie helfen.
Ich selbst bin in einem medizinischen Umfeld aufgewachsen. Vater, Onkel, Großonkel waren Ärzte, sodass ich als Kind einiges am Rande mitbekommen habe.

Wir wissen mittlerweile auch von unserem Nobelpreisträger, Dr. Stefan Hell, Chemiker, Sanktannaer Landsmann, wie viel Arbeit, unzählige Versuche, Forschungen, manchmal auch Fehlergebnisse und unermüdlich wiederholte Neuanfänge erforderlich sind.
Mein Vater, Arzt, noch in der österreichisch-ungarischen Monarchie ausgebildet und guter Diagnostiker, saß abends oftmals über Büchern gebeugt, offensichtlich um den Verlauf der Krankheit seiner Patienten zu verfolgen. Oftmals auch bedrückt über die Krankheit des einen oder anderen Patienten, der die Genesung trotz seiner jungen Jahre nicht schafft und sterben muss.

Armeleutekrankheit

Eine Krankheit, die es laut meines Arztes in Deutschland fast nicht mehr gibt. Diese war im vorigen Jahrhundert noch ziemlich verbreitet. Sie trat auf mit dauerndem Husten, oftmals sogar mit Blut beim Aushusten von Schleim, mit starkem Gewichtsverlust, Unterernährung. Im Volksmund nannte man sie sogar „Armeleutekrankheit“.
In unserem Billed gab es nicht viele arme Leute, aber ab und zu trat diese Krankheit doch auf.
Anfangs gab es keine Mittel, die der Arzt empfehlen konnte, lediglich Bettruhe, viel frische Luft, hochwertige Nahrung, später eventuell schon Sulfamide.
Der diesbezügliche Erretter der Menschheit war der 1843 in Deutschland geborene und 1910 verstorbene Dr. Robert Koch. Er suchte fieberhaft nach dem Tuberkel-Bazillus. Wir im Banat mussten aber noch lange auf diese Erlösung warten. Noch in meiner Schulzeit konnte ich, wie viele meiner Generation und auch noch Jüngere, den großartigen deutschen Film „Dr. Robert Koch“ in den Temeswarer Kinos, auch in Billed!, mit Begeisterung verfolgen. Ein unvergessliches Zitat von diesem berühmten Arzt und Entdecker: „Licht, Luft und Sonnenschein lasst zum offnen Fenster rein“ bleibt uns allen lebenslänglich in Erinnerung.
Da ich den Film mehrmals sehen konnte, blieb mir noch ein Ausspruch erhalten: „In meinem 185sten Versuch entdeckte ich endlich mit Methylenblau den langgesuchten Tuberkel-Bazillus.“

Russlanddeportation und TBC

Ich selbst trug diese einschleichende Krankheit schon in mir, als ich nach 5 Jahren Russlandverschleppung heimkehrte. Ich fühlte immer Müdigkeit, verlor ständig an Gewicht, wollte aber eine Krankheit nicht wahrhaben.
Als ich an der Pädagogischen Schule in Temeswar schon Russisch unterrichtete, wurde ich bei einer med. Reihenuntersuchung mit einem Infiltrat an der Lunge entdeckt. Sofort wurde ich von der Schule entlassen und in ein TBC-Krankenhaus eingewiesen, fuhr aber nach Lippa, wo unser Schwager als Lungenarzt wirkte.
Die Behandlung begann sofort mit einheimischen Mitteln, Bettruhe, Vitaminen usw. Aber unser rumänischer Schwager „machte es möglich“, dass ich Streptomycin bekam, welches selbst in Deutschland erst seit Kurzem im Handel war.
Nach 6 Wochen war ich genesen und konnte wieder meine Arbeit als Lehrerin fortführen. Dass man in Deutschland Dr. Robert Koch so viel Anerkennung zuteil werden lässt, ihn zum Namensträger so vieler Kliniken, Krankenhäuser, Straßen macht, berührt mich immer von neuem. Auch ich bewahre in meinem Inneren sein Denkmal mit großem Respekt.

Tiefsinn

Ein weiteres vermeintliches „medizinisches Wunder“, könnte man glauben, ist die Behandlung und Heilung der Depression. Sie ist aber eine Krankheit sowohl der Vergangenheit wie auch der Gegenwart, gegen die die Ärzte und Wissenschaftler immer noch kämpfen, wohl nicht mehr unter der früheren Bezeichnung, aber trotzdem allerorts vorhanden.
Sie hat oft auch Billeder, vor allem Frauen, heimgesucht. Mehrmals, wenn selbst Vater stark in Mitleidenschaft gezogen wurde und wir Kinder damals fragten, warum dieser Patient mit 32 Jahren so jung sterben muss, hörten wir die betrübten Worte: „Weil er tiefsinnig geworden ist.“
Obwohl Sigmund Freud (1856 – 1939), ein Wiener Arzt, in den 30er Jahren schon diese Krankheit erforscht hatte, steckten seine Theorien noch lange in den Kinderschuhen. Zwar hatte man schon einige Beruhigungsmittel wie Opium, Valium, Sedativum usw. zur Verfügung, aber leider noch kein Medikament, das diese Krankheit direkt ansprach. Das beste Gegenmittel meines Vaters war immer die Empfehlung: Viel Beschäftigung!
Die Wege waren geebnet. Aber die eigentlichen Erforscher der Depression hatten noch eine immense Arbeit zu leisten, bis die Behandlung und Heilung dieser Krankheit den heutigen Stand erreichte und noch weitere Ergebnisse erbringen wird.

Aussiedlung und Depressionen

Selbst ich war schon einmal von dieser Krankheit stark heimgesucht. Es geschah, als wir 1972 von Rumänien aussiedelten.
Wahrscheinlich ist es so manchen Billedern auch so ergangen. Die vielen Schikanen und die Angstzustände vor der Abreise machten mich bei der Ankunft müde, zermürbt, abgekämpft. Diese Schwierigkeiten türmten sich innerlich vor mir auf. Ich sah alles Neue wie eine Lawine auf mich zukommen.
Mein Mann erkannte sofort meinen Zustand, nahm mich bei der Hand und brachte mich zu einem Psychiater. Ich bekam vorerst eine Spritze und die Behandlung setzte ein.
Nach 3 Wochen war es besser und als ich wieder zu arbeiten begann – Vollbeschäftigung! - war alles vorbei. Ich merkte, diese Krankheit lässt sich wie jedwelche andere organische Krankheit behandeln.

Heute ist diesbezüglich ein großer Fortschritt erreicht. Gegen Depressionen sind vielerlei Medikamente auf dem Markt. Gott sei Dank, gibt es heutzutage Ärzte und Chemiker, die es wagen, mit ihren Medikamenten ins Seelenleben und sogar in die Gedankenwelt des Menschen einzudringen. Freilich sind diese Mittel, bis wir sie bekommen, mehrfach erprobt.
Dass wir in einem Land leben dürfen, letztlich auch dazu gehören, wo die Medizin wie auch die Technik einen so enormen Aufschwung genommen hat, betrachten wir als Geschenk, das wir alle zu schätzen wissen.
Es ist Antwort auf einen Ausspruch unseres vormaligen Ministerpräsidenten, heute im Europarat, G. Oettinger: „Die Banater Schwaben, ein kräftiges und lebendiges Element in unserem Land.“

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