Banater in den Südtiroler Dolomiten


Banater in den Südtiroler Dolomiten


Gruppenbild der Teilnehmer
Zum 9. Mal organisierten Werner und Gerlinde Gilde zwischen dem 28. September und dem 3. Oktober für ihre Landsleute in und um Karlsruhe eine unvergessliche Bus-Reise – diesmal nach Südtirol, in die Dolomiten.

Wenngleich die Anreise durch Österreich, den Brenner, ins Pustertal bei herrlichem Spätsommerwetter erfolgte und wir auf derartiges Wetter auch für die folgenden 5 Tage hofften, so wurden wir leider enttäuscht, denn 3 davon waren regnerisch und erst gegen Ende unseres Dolomiten-Aufenthalts wurde es wieder sonnig. Felsenriesen mit weißen Mützchen grüßten uns, während Abhänge grün begrast oder bewaldet unser Auge ergötzten, immer wieder Burgen oder Burgruinen auftauchten. Wegen eines Autobahnstreiks erreichten wir unser Ziel mit einiger Verspätung, konnten auch den Altstadtbummel durch Sterzing erst am Tag unserer Heimreise nachholen.

Am Sonnenplateau Reischach bei Bruneck – eingebettet zwischen den „Grünen Alpen“ mit idyllischen Almen im Norden und den schroffen Felsnasen der Dolomiten im Süden – liegt unser Reiseziel, das Rubner Hotel Rudolf, ein 4-Sterne-Urlaubsparadies, wo Herzlichkeit und Gastfreundschaft ganz groß geschrieben werden. Einzigartige Naturkulisse mit perfektem Rundum-Service. Nach totalem Schlafkomfort wurden wir täglich durch ein überreiches Frühstücksbuffet mit einheimischen Produkten verwöhnt und für den anstrengenden Tag entsprechend verköstigt. Ergänzend gab es am Abend, nach „strapaziösen“ Besichtigungen, - der Jahreszeit angepasst - ein üppiges, mehrgängiges Menü mit gutsortierten Weinen und sonstigen Getränken, dazu den Spruch des Tages, so z.B. den von Goethe: „Es gibt Menschen, die sich einbilden, was sie erfahren, verstünden sie auch.“ Nach der Rückkehr oder auch schon am frühen Morgen konnte man in der Vital-Oase entspannen und sich wohlfühlen: im Hallenbad mit Massagedüsen, im Whirl-Pool bei 35°C, in verschiedenen Saunen und Dampfbädern, an der Poolbar bei Obst, Tee und Mineralwasser, in der Ruhezone, bei Massage oder Kosmetikbehandlung.

Am 2. Tag hat es beim Aufwachen noch geregnet, später haben sich die Wolkenschwaden entlang der Berghänge hingezogen, sich nur zeitweilig entladen.
Auf dem Weg nach Bozen, der Hauptstadt der Autonomen Provinz Bozen, auf 250m Meereshöhe gelegen, mit etwa 105.000 Einwohnern - davon etwa 26% deutscher, 73% italienischer und 1% ladinischer Muttersprache - wurden wir 2 Stunden wegen eines Verkehrsunfalls aufgehalten, was wir auch in Fotos festgehalten haben. Bozen, eigentlich die „Stadt der tausend Dialekte“ ist überschaubar, mit beeindruckend schönem, mediterranem Flair und zahllosen Läden in der Laubengasse. Das Eis schmeckte auch bei Regen.
Durch unseren Reiseführer Toni erfuhren wir viel Historisches über die Südtiroler, denen schon nach dem 1. Weltkrieg, beginnend mit Mussolini, viel Leid zugefügt wurde. Viele Italiener aus dem Süden wurden hier eingebürgert, während deutsch Sprechende nach Österreich und Deutschland auswanderten, um der Italienisierung zu entgehen.
Wir Banater Schwaben erkannten mitfühlend die Parallele zum eigenen Schicksal. Bozen hat romantische Gassen, Märkte, reges Treiben und ist fahrradfreundlich. Im Archäologischen Museum der Stadt liegt Ötzi, der Mann aus dem Eis; eine 5-klassige Schule trägt Goethes Namen, das Humanistische Gymnasium den Namen von Walther von der Vogelweide, dessen Standbild auch einem Platz seinen Namen verleiht. 1170 bei Wien geboren, führte Walther von der Vogelweide ab 1198, nach dem Tode seines Gönners, ein Wanderleben, das ihn nach Nordfrankreich, in die Steiermark, die Lombardei und ins Friaul führte, wo er stets am Hofe der deutschen Könige und Kaiser seine Minnelieder vortrug.
Am Kalterer See hat es allen sehr gut gefallen, sowohl die südliche Naturkulisse, als auch die luxuriöse Ausstattung und in unserer Vorstellung sahen wir eine Bootsfahrt bei Sonnenschein doppelt schön.

Die Verkostung in der Grappa-Brennerei hat uns allen ein Wärme- und Wohlgefühl verliehen, uns zu Einkäufen für besondere Gelegenheiten animiert. Auf dem Heimweg hat Toni uns auch erzählt , wie verzweifelt und verbissen die Südtiroler gegen Entwurzelung und den Verlust der Identität: Sprache und Traditionen gekämpft haben und noch kämpfen. Obwohl sie eine relative Autonomie errungen haben, gibt es immer noch Ziele, für die sie sich einsetzen. Haupterwerbsquellen sind : Tourismus, Viehzucht und Milchverarbeitung, Apfel- und Weinbau.

Am 3. Tag ging`s bei verhangenem Himmel nach Meran, der zweitgrößten Stadt Südtirols mit etwa 39.000 Einwohnern, in einem Talkessel gelegen, von Bergen bis zu 3.337m umgeben. Dokumentarisch seit 857 erwähnt, seit dem 19. Jh. Kurort. In der Landesfürstlichen Burg verstarb 1445 der berühmte Minnesänger Oswald von Wolkenstein, der dort auf Besuch weilte. Die Tiroler Freiheitskämpfe 1809 brachten Meran wieder große Aufmerksamkeit.
Das milde, mediterrane Klima und die reine Luft zogen auch die österreichische Kaiserin Elisabeth – Sissi – immer wieder hierher – präsent auch heute durch die lebensgroße, sitzende Marmorfigur am Ufer des schäumenden Passa-Flusses.
In der Otto-Burg wohnte zeitweilig Franz Kafka.
Sehenswert: Kurhaus, Kirchen, Stadttore, Altstadt mit Laubengasse, Kurpromenade, verschiedene Museen...
Angeblich ist der Herbst die schönste Jahreszeit für den Besuch der „Gärten“ von Schloss Trauttmansdorff, des schönsten Gartens von Italien, 2006 Europas Garten Nr.6. Er vereint in einem natürlichen Amphitheater über 80 Natur- und Kulturlandschaften, vielfältige Themengärten und zahlreiche Kunst- und Erlebnisstationen. Das beliebteste Ausflugsziel Südtirols begeistert durch die einzigartige Verknüpfung von Natur, Kunst und Kultur durch das Zusammenspiel von historischer und zeitgenössischer Architektur, abwechslungsreiche Veranstaltungen im Wandel der Jahreszeiten. In den Jahren 1870 und 1889 diente das Schloss Sissi für mehrere Monate als Rückzugs- und Erholungsort (heute Museum).
Entzückt haben uns die 175 Dahlien-Arten in verschiedenen Blütenformen und Farben; die Palmen und Zitrusgewächse, der bunte Blumenhang, jedoch auch der sympathische Garten-Führer, der sein gründliches Wissen witzig-humorvoll darbot und damit gut bei uns ankam. Eine Skulptur mit allen anatomischen Details präsentiert den Sündenfall gerechterweise als von beiden verschuldet: Eva kann den verbotenen Apfel nur deshalb pflücken, weil Adam sie im Nacken hochhält.

Das „Törggelen“ am Sonntagabend war für uns etwas ganz Besonderes und wurde im festlichen Rahmen begangen. Seit jeher ist es in Südtirol Brauch, dass man im Herbst, nach Lese und Weinpressen, Helfer aus nah und fern zu einer ordentlichen „Marende“ eingeladen hat. Dabei wurde der nichtvergorene und der schon vergorene Most verkostet und üppig gegessen: Knödel, Kraut, Hauswürste Gselchts, Speck oder Aufschnitt mit Kaminwurzen, Käse, zuletzt Krapfen und „Keschtn“ mit Butter. Die Bezeichnung „Törggelen“ kommt aus dem Lateinischen für Traubenpresse.
Mit der Zeit kamen Schlachtplatten mit „Rippeln und Surfleisch“, herzhafte „Gerstesuppe“ zum gemütlichen Beisammensein mit Freunden dazu. Auch für uns war es ein sättigendes-beschwingtes Beisammensein bei Musik und Tanz.
Nach Tiroler Vorspeisen, Pustertaler Gerstesuppe kam Spanferkelrollbraten mit Beilage, als Dessert Topfen-Pfirsichstrudel mit Vanillesauce, danach warme Kastanien, Trauben, Nüsse und Walzer, Polkas etc bis spät in die Nacht.

Der Ausflug in die Bergwelt der Dolomiten verlief am nächsten Morgen - wetterbedingt - nicht wie geplant. Zwar beeindruckten uns die Bergriesen mit ihren schroffen Hängen, seltsamen Formen und Farben, doch ganz oben hin, in die regenspendenden Wolkenschleier sind wir dann doch nicht gefahren, konnten auch nur selten aussteigen, um Enzian und andere Bergblumen zu bewundern und Fotos zu machen. Geblieben ist uns die Sehnsucht, diese Wunderwelt einmal auch bei Sonnenschein zu bestaunen.
Auch erkannten wir, warum es die Sportler sowie die Reichen und Schönen immer wieder hierher zieht, warum sie hier Zweitwohnungen haben, jedoch nur zeitweilig da sind. Das weltberühmte Cortina d`Ampezzo z. B. hatte bei unserer Durchfahrt fast alle Fensterläden geschlossen, kaum ein Mensch war zu sehen, in der Zeit zwischen Sommer- und Wintersaison.

Die Erlebniswanderung am vorletzten Tag ließ manchen von uns ein wenig schwitzen, als es zu Fuß durch den Wald zur „Brettljause“ ging, die jedoch nicht auf Brettln, sondern auf Tellern serviert wurde, üppig war und bestens schmeckte. Bei Musik und Getränken kam Stimmung auf, man bedauerte den frühen Aufbruch, zumal sich auch die Sonne wiedermal zeigte. Das volle Wellness-Programm im Hotel entschädigte vollauf.

Nach Gruppenbild und Verabschiedung ging es am letzten Tag schon recht früh los, da wir die Besichtigung und den Bummel durch Sterzing vom ersten Tag nachholen wollten. Es wurden Einkäufe getätigt, Essbares für unterwegs besorgt. Auch einen Bauernmarkt haben wir auf der Heimreise kurz besichtigt, wo großes Gedränge und dicke Luft herrschte, so dass ein Spaziergang an der frischen Luft vielen mehr zusagte.

Das Fazit der Reise: Sie war für die Meisten schön, informativ, unterhaltsam, wofür den Organisatoren Gerlinde und Werner Gilde sowie den Fahrern Josef Mayer und Hermann ein dickes Lob zusteht und herzlichen Dank, den Letzteren für das großartige Umfahren aller gefährlicher Situationen auf den zig Kurven und „Kehren“.
Wir wünschen uns auch für die 10. Banater Busfahrt interessante Ziele, weiterhin gute Betreuung und besseres Wetter als diesmal, jedoch genau diegleiche gute Stimmung und Atmosphäre.