Wenn der Vater mit der Tochter musiziert
Gedanken zu einem Konzert in Karlsruhe
Bereits frühzeitig wurde für Sonntag, den 8. Februar 2026, zu einem besonderen Konzert unter dem Titel „Zwei Trompeten, Schlagzeug, Orgel“ nach Karlsruhe eingeladen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die heiße Phase der Faschingszeit begonnen, und für den genannten Sonntag waren zahlreiche Faschingsumzüge im gesamten Ländle geplant. Angesichts dieser Konkurrenzveranstaltungen stellten sich die Organisatoren rund um Franz Tröster die Frage, wie viele Besucher wohl den Weg in die St. Peter und Paul-Kirche nach Karlsruhe finden würden.
Trotz der zahlreichen Konkurrenzveranstaltungen im Rahmen der Faschingszeit fanden viele Besucher den Weg in die St. Peter und Paul-Kirche in Karlsruhe. Aus einem Umkreis von etwa 70 Kilometern strömten die Landsleute herbei, um dem besonderen Konzert beizuwohnen. Die besonders engagierten Gäste waren bereits eine Stunde vor Konzertbeginn vor Ort und sicherten sich die vermeintlich besten Plätze.
Wo sich die optimalen Sitzplätze tatsächlich befanden, wurde erst später deutlich, als Franz Tröster verkündete, dass das Konzert von der Empore aus gespielt wird. Letztlich war dies jedoch nebensächlich, denn die Akustik der Kirche erwies sich als ausgezeichnet und sorgte dafür, dass alle Besucher in den Genuss des musikalischen Erlebnisses kamen.
Das Konzert versprach ein außergewöhnliches musikalisches Erlebnis: Es sollte ein Zusammentreffen der „Königin der Instrumente“ – der Orgel – mit dem „Instrument der Könige“ – der Trompete – werden. Die Orgel, bekannt für ihre majestätischen und vielschichtigen Klänge, traf auf die strahlende und festliche Trompete, deren Ton seit jeher in königlichen Zeremonien und feierlichen Momenten geschätzt wird. Wenn sich zu diesen beiden royalen Instrumenten noch die kraftvollen Klänge der Pauken gesellen, entsteht die Hoffnung auf ein wahres Festkonzert, das den Zuhörern ein unvergessliches Erlebnis beschert.
„Sie haben eine ausgezeichnete Wahl getroffen, denn heute erwartet sie ein ganz besonderes Konzert.“ Mit diesem verheißungsvollen Satz begrüßte Franz Tröster die über 250 in der Kirche versammelten Gäste vom Ambo der Kirche, dem „Tisch des Wortes“ aus. Nach ein paar Worten zu der Orgel, die im Jahr 2025 neu gestimmt wurde und in diesem Jahr ihren 65. Geburtstag feiert stellte Franz seine Kollegen vor:
An der Orgel: Stefan Fritz – in Mühlburg wohlbekannt als Organist und Chorleiter der Seelsorgeeinheit. Mit ihm hat Franz schon viele schöne musikalische Projekte verwirklicht. An den Pauken und am Schlagwerk stellte er Sebastian Wanyer, ein Musikant mit banater Wurzeln in Jahrmarkt vor. Aber auch ein geschätzter Freund und Musiker, der bekannt wurde durch sein Mitwirken in verschiedenen symphonischen- und Blasorchestern.
Bei der folgenden Vorstellung wurde ein besonderer Moment spürbar: Mit jeder Silbe, die Franz Tröster an das Publikum richtete, war deutlich zu hören, wie viel Stolz in seiner Stimme mitschwang, als er seine Tochter Lara Kim Tröster präsentierte. Lara, geboren 2002 in Karlsruhe wuchs in einem von Musik geprägten Zuhause auf, in dem ihr Vater als Vorbild fungierte. Mit 8 Jahren begann sie Trompete zu spielen. Später vertiefte sie die Technik am Badischen Konservatorium. Es war nicht allein der Inhalt seiner Worte, sondern vielmehr die liebevolle und bewegte Art, mit der er sie formulierte, die diesen Augenblick so einzigartig machte. Solch eine Herzlichkeit und Freude kann nur ein stolzer Vater in seine Ansprache legen und sie dem Publikum so eindrücklich vermitteln.
Um das Quartett zu vervollständigen, stellt Franz sich vor. Sehr bescheiden als ein Musiker, der letztes Jahr sein 35-jähriges Jubiläum als Dirigent des Bläserchors St. Peter und Paul Mühlburg feierte. Vermutlich hätte eine Aufzählung seiner Tätigkeiten und Verdienste den zeitlichen Rahmen gesprengt. Bei mir wurden Erinnerungen an die Tanzabende in der Mehala wach. Aber auch ohne es zu erwähnen, wussten alle Anwesenden von seinen glanzvollen Auftritten mit den Egerländer Musikanten. Oder von unvergessenen, stimmungsvollen Tanzabenden mit unterschiedlichen Bands der Banater Musikanten. Auch in meiner Amtszeit als Kreisvorsitzenden spielte Franz öfters in Heilbronn auf. Sowohl zum Tanz als auch in Kirchen. Erinnerungen an die Tanzabende in der Mehala wurden wach.
Die Werke, Komponisten und Titeln waren den ausgelegten Programmheften zu entnehmen. Ein Programm, welches Lara Tröster zusammengestellt, doch im Arrangement auf ihren Papa zugreifen musste. Und Franz hat ihr alle Wünsche erfüllt hatte. So war Francesco Manfredini für Lara ein unbedingtes Muss und stand dafür auch als Erster mit seinem „Concerto für zwei Trompeten“ auf dem Programmzettel. Es war eine klangvolle Symbiose zwischen den Trompeten und der Orgel, die das Werk prägten. Mit klaren Koloraturen brillierten die Trompeten bis in höchste Lagen. Die Orgel übernahm dabei den Orchesterpart und überzeugte durch eine fein abgestimmte Registrierung. Gleich danach folgte „Air D-Dur“ von Johann Sebastian Bach.
Das ruhige, lyrische Werk „Gabriel’s Oboe“ von Ennio Morricone schuf eine besonders ruhige und emotionale Atmosphäre. Mit getragenen, weit gespannten Melodiebögen - abwechselnd und im Duett gefühlvoll vorgetragen - berührten die Musiker das Publikum spürbar.
Auf Laras besonderen Wunsch erklang im zweiten Teil des Konzertes Franz sein Arrangement zu „A Million Dreams“ aus „The Greatest Showman“. Die Musik erinnert stilistisch an Pop und brachte eine neue Klangfarbe ins Programm: Erstmals kamen neben Trompeten und Orgel auch Schlagwerk-Instrumente zum Einsatz, die mit rhythmischer Prägnanz für einen mitreißenden Groove sorgten.
Als letztes Stück folgte ein Disney Medley aus „Alladin“ und „The Lion King“. Natürlich wieder – wie all die Stücke zuvor – von Franz liebevoll für seine Lara arrangiert. Das Medley aus der Musicalwelt verband die bekanntesten Melodien zu einem abwechslungsreichen Hörerlebnis. Unterschiedliche Orgelregistrierungen in Kombination mit Trompete, Piccolotrompete und Flügelhorn eröffneten ein breites Klangspektrum. Die Musiker nutzten den gesamten Ambitus der Instrumente – von warmen, weichen Klangfarben bis hin zu strahlenden Höhen.
Für Abwechslung zwischen den Liedern sorgte Stefan Fritz mit Klassiker aus der Orgel-Solo Literatur. Durch die Kombination dieser charakterstarken Instrumente wurde eine besondere musikalische Atmosphäre geschaffen, die sowohl die Vielseitigkeit als auch die Ausdrucksstärke jedes einzelnen Instruments zur Geltung brachte. Die Zuhörer durften sich auf ein Klangbild freuen, das von feinen Nuancen bis hin zu imposanten Klanggewalten reichte – ein Fest für die Sinne und ein Höhepunkt im musikalischen Kalender.
Nachdem die letzten Töne des Konzerts verklungen waren, erhob sich das Publikum geschlossen und spendete langanhaltenden Applaus. Die Klänge von Laras Piccolo-Trompete hallten den Zuhörern noch im Ohr, als die Begeisterung zu einer lautstarken Bitte um eine Zugabe führte. Dieser Wunsch wurde erfüllt und das Ensemble präsentierte mit „We are the World“ eine zusätzliche Darbietung. Mit diesem bewegenden Abschlussstück vermittelten die Musiker eine spürbare „Heile-Welt“-Stimmung und setzten einen hoffnungsvollen, verbindenden Schlusspunkt unter das Konzert.
Selbst nach dem letzten Musikstück ließ die Begeisterung der Gäste nicht nach. Die Besucher erhoben sich erneut von ihren Plätzen und würdigten die Künstler mit anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen. Diese herzliche und überwältigende Reaktion spiegelte wider, wie sehr die Musik die Menschen bewegt und ein tiefes Gefühl der Verbundenheit geschaffen hatte. Das Konzert hatte einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der weit über das eigentliche Programm hinausging.
„Banater Schwaben kennen nicht nur Blasmusik“ meinte mein Freund Werner Gilde, der mit seiner Frau und dem Enkelsohn in der ersten Kirchenbank saß. Als Kreisvorsitzender, der seine Schäfchen kennt, schätzte er, dass 90% der Anwesenden Banater Schwaben waren.
Die Musiker kamen recht schnell von der Empore runter, um mit ihren Freunden ein paar Worte zu wechseln oder zumindest die Hände zu schütteln und sich für ihr Kommen zu bedanken. Während der Vorführung sah man immer wieder Handys, die zum Fotografieren oder zum Aufnehmen hochgehoben wurden.
Unter den Gästen fand ich sehr viele Bekannte. U. a. konnte ich mich sehr lange mit Aurel Manciu, dem Lehrer von Franz unterhalten. Mein Herz wuchs, als in unserem Austausch auch Edmund Buschinger erwähnt wurde, der in Giseladorf geboren ist und in Bukarest gespielt hatte. In den Nachkriegsjahren beherrschte er die Piccolo-Trompete wie kein Zweiter in Bukarest.
Zum Abschluss war es sehr schön zu erfahren, dass Lara sehr aktiv bei den Banater Schwaben in Karlsruhe mitwirkt. Im Vorstand ist sie als Beisitzerin tätig und leitet die Kindergruppe „Erdbeeren“. Darüber hinaus wirkt sie in der Tanzgruppe der Banater Schwaben im Kreisverband Karlsruhe mit. Und findet noch genügend Zeit, um ihr Masterstudium an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe zu absolvieren.
Es war uns eine große Freude, als Freunde an diesem besonderen Konzertabend teilzunehmen. Das musikalische Erlebnis und die spürbare Verbundenheit zwischen den Akteuren und dem Publikum sorgten für eine außergewöhnliche Atmosphäre. Die Begeisterung während des Konzerts, die Herzlichkeit im Miteinander sowie die zahlreichen Begegnungen mit bekannten Gesichtern trugen dazu bei, dass der Heimweg nach dieser Veranstaltung wie im Flug verging. Getragen von den positiven Eindrücken und der Freude über das gemeinsame Erlebnis, fühlte sich der Rückweg deutlich kürzer an als sonst.
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