Dazu eingeladen waren: Oberbürgermeister Heinz Fenrich, Stadträte verschiedener Parteien, Vertreter der IHK, der Sparkasse, verschiedener Firmen, sonst Interessierte wie auch der Vorstand der Ortsgemeinschaft Billed mit ihrem Vorsitzenden Werner Gilde - auch Vorsitzender der Banater Schwaben Karlsruhe. Nicht alle Geladenen konnten Präsenz zeigen, was im fast vollen Saal kaum auffiel. Geboten wurde Wissens- und Merkenswertes über Wirtschaft und Politik in Rumänien sowie über die Stadtentwicklung Temeswars, nichts jedoch über die diesbezügliche Leistung der Banater Schwaben, recht zahlreich im Saal vertreten.
Vorab ging Heinz Doll, Vorsitzender des gefeierten Freundeskreises, auch auf die Entstehung und Entwicklung desselben ein, erinnerte an den ehemaligen Karlsruher Stadtrat Günther Rüssel, der nach dem politischen Umbruch in Rumänien mit Hilfe der Landsmannschaft der Banater Schwaben Karlsruhe eine Städtefreundschaft mit Temeswar angeregt hat, die sich zu einer Städtepartnerschaft entwickelte. Aus anfänglichen karitativen Aktionen wurden umfangreiche Hilfslieferungen, bei denen auch die Chor- und Tanzgruppen- Mitglieder aktiv mitgewirkt haben. 54 Hilfstransporte gingen für die in vieler Hinsicht unterversorgten Menschen nach Temeswar: medizinische und technische Geräte, Medikamente, Lebensmittel für Kinderheime, Obdachlose, Krankenhäuser; Bekleidung, Gehhilfen, Schulmöbel und Lehrmittel etc, wofür den Karlsruher Dank gebührt. Außerdem erfolgten zahlreiche wechselseitige Besuche: 1992 waren 50 Lenauschüler zu Gast im Rüppurrer Max-Planck-Gymnasium; am 1. Bundestreffen der Temeswarer in Karlsruhe nahmen 1993 Studenten-, Trachten- und Volkstanzgruppen, Orchester, Balletttänzer, Schauspieler und Sportler teil, auch Universitätsrektoren tauschten sich aus. Das seit 1997 in Karlsruhe agierende deutsch-rumänische Wirtschaftsbüro knüpft immer wieder Kontakte zwischen hier und dort.
Der 1994 geschlossene Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Städten sieht als seine Hauptzielsetzungen: Förderung des wissenschaftlich-kulturellen, kirchlichen, sportlichen Austausches sowie der Kontakte von Unternehmen aus Wirtschaft und Industrie.
Nach der erfolgreichen ersten Bürgerreise in die Partnerstadt Temeswar plant man z.Z. eine zweite für Ende September-Anfang Oktober 2012 (Flug), für die man sich anmelden kann und zusätzliche Informationen erhält.
Erwähnenswert ist auch, dass über die Bemühungen dieses Freundeskreises bis hinauf in die Regierungskreise das Weiterbestehen des Temeswarer deutschen Konsulats gesichert werden konnte.
Im Grußwort der Stadt Karlsruhe durch Bürgermeister Wolfram Jäger, der scherzhaft die Partnerschaft zwischen den beiden Städten schon als „altes Ehepaar“ bezeichnete, unterstrich, dass Partnerschaft durch die Menschen gelebt wird, durch Begegnungen, Feste, die die Herzen erreichen, ganz gleich, ob es sich um die Leistung Einzelner handelt oder um die der Vereine.
Der Honorarkonsul Rumäniens in Baden-Württemberg, Dr. Manfred Schmitz-Kaiser, informierte weiter über Wirtschaft und Politik in Rumänien, wobei er unterstrich, dass zwischen dem Rumänien von vor 20 Jahren und dem heutigen Welten liegen. Sein Fazit: Rumänien hat kreditgesteuert schöne Erfolge verzeichnen können, die leider durch die Wirtschaftskrise abgebremst wurden. Die radikalen Sparmaßnahmen der Regierung – Vorbild für manche andere Länder der EU – schaffen langsam Abhilfe. Die noch existierende Korruption fand Dr. Schmitz-Kaiser kulturbedingt und nur schwer und langsam zu eliminieren, obgleich die Antikorruptionskommission seiner Meinung nach gut funktioniere, besser als die in Bulgarien.
Wirtschaftswachstum gab es 2011 vor allem durch die Automobil- und die Zulieferer-Betriebe, wobei Baden-Württemberg in Rumänien sehr präsent ist. Bedauerlicherweise gehen viele hochqualifizierte IT-Fachkräfte aus Rumänien ins Ausland, weniger nach Deutschland, eher nach Kanada, Großbritanien...
Verbesserungswürdig ist vor allem die Infrastruktur des Landes: Autobahnen, Häfen und Flughäfen wie auch der Umweltschutz, wobei der Abruf der EU-Gelder aus Fachleutemangel schwierig erscheint. Um deutsche Journalisten vor Fehlmeldungen über Rumänien zu bewahren, hat der Honorarkonsul sie vor Ort auch andere Aspekte sehen und beurteilen lassen, außer Korruption, Straßenhunde, Schlaglöcher, Kriminalität auch Aufschwung, Sensorentechnik...
Stark exportabhängig, liegt die Hoffnung der rumänischen Wirtschaft auf der neuen Regierung, die im Sinne der EU hoffentlich das Richtige tut.
„Die StadtentwicklungTemeswars gestern und heute“ präsentierte Martin Rill, Leiter des Rumänischen Verbindungsbüros der L-Bank, indem er weit ausgriff, bis zur ersten dokumentarischen Erwähnung 1154 durch einen arabischen Schriftsteller. Anhand von Kupferstichen und alten Stadtplänen veranschaulichte er die verschiedenen Entwicklungsetappen der Stadt, ging auf osmanische Besatzung und entsprechende Baudenkmäler ein, auf Festungsbau, Einführung des Grundbuchs 1773 etc. Im Laufe der Zeit ist Temeswar stetig gewachsen, doch heute muss die Stadt dringend saniert werden und das erfolgt – für viele zu schleppend – durch EU-Mittel und durch lobenswerte private Unternehmen.
Die Festveranstaltung in der Karlsburg Durlach bot dem Auditorium viel Information über Rumänien und Temeswar, doch auch künstlerischen Genuss, denn nicht nur die Chormitglieder und ihre Leiterin gaben ihr Bestes, auch die Solistinnen Irmgard Holzinger-Fröhr und Melitta Giel beeindruckten zutiefst mit ihren wundervollen Stimmen, ihrem gekonnt-sängerischen Vortrag. Applaus und Blumen honorierten ihre Leistungen, kleine Wein-Geschenke aus der Region die der geladenen Referenten.
Im Anschluss an den offiziellen Teil der Feier erquickten sich alle an einem kleinen Imbiss und verschiedenen Getränken, tauschten Meinungen aus, freuten sich, dabei gewesen zu sein.