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Hommage an Stefan Jäger

Ausstellung und Symposium zum 50. Todestag und zum 135. Geburtstag des Schwabenmalers
am 28. April um 10 Uhr im Banater Seniorenzentrum in 85049 Ingolstadt, Peisserstraße 66
Veranstalter: Hilfswerk der Banater Schwaben, Landesverband Bayern der Landsmannschaft der Banater Schwaben


Stefan Jäger, der Schwabenmaler
 

20-jähriges Jubiläum des Freundeskreises Karlsruhe-Temeswar

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„An die Freude“, die Hymne der EU, gesungen vom Chor der Banater Schwaben Karlsruhe unter der Leitung von Hannelore Slavik in der Durlacher Karlsburg, erklang als stimmungsvoller Auftakt der Festveranstaltung anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Karlsruhe-Temeswar.

Dazu eingeladen waren: Oberbürgermeister Heinz Fenrich, Stadträte verschiedener Parteien, Vertreter der IHK, der Sparkasse, verschiedener Firmen, sonst Interessierte wie auch der Vorstand der Ortsgemeinschaft Billed mit ihrem Vorsitzenden Werner Gilde - auch Vorsitzender der Banater Schwaben Karlsruhe. Nicht alle Geladenen konnten Präsenz zeigen, was im fast vollen Saal kaum auffiel. Geboten wurde Wissens- und Merkenswertes über Wirtschaft und Politik in Rumänien sowie über die Stadtentwicklung Temeswars, nichts jedoch über die diesbezügliche Leistung der Banater Schwaben, recht zahlreich im Saal vertreten.

Vorab ging Heinz Doll, Vorsitzender des gefeierten Freundeskreises, auch auf die Entstehung und Entwicklung desselben ein, erinnerte an den ehemaligen Karlsruher Stadtrat Günther Rüssel, der nach dem politischen Umbruch in Rumänien mit Hilfe der Landsmannschaft der Banater Schwaben Karlsruhe eine Städtefreundschaft mit Temeswar angeregt hat, die sich zu einer Städtepartnerschaft entwickelte. Aus anfänglichen karitativen Aktionen wurden umfangreiche Hilfslieferungen, bei denen auch die Chor- und Tanzgruppen- Mitglieder aktiv mitgewirkt haben. 54 Hilfstransporte gingen für die in vieler Hinsicht unterversorgten Menschen nach Temeswar: medizinische und technische Geräte, Medikamente, Lebensmittel für Kinderheime, Obdachlose, Krankenhäuser; Bekleidung, Gehhilfen, Schulmöbel und Lehrmittel etc, wofür den Karlsruher Dank gebührt. Außerdem erfolgten zahlreiche wechselseitige Besuche: 1992 waren 50 Lenauschüler zu Gast im Rüppurrer Max-Planck-Gymnasium; am 1. Bundestreffen der Temeswarer in Karlsruhe nahmen 1993 Studenten-, Trachten- und Volkstanzgruppen, Orchester, Balletttänzer, Schauspieler und Sportler teil, auch Universitätsrektoren tauschten sich aus. Das seit 1997 in Karlsruhe agierende deutsch-rumänische Wirtschaftsbüro knüpft immer wieder Kontakte zwischen hier und dort.

Der 1994 geschlossene Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Städten sieht als seine Hauptzielsetzungen: Förderung des wissenschaftlich-kulturellen, kirchlichen, sportlichen Austausches sowie der Kontakte von Unternehmen aus Wirtschaft und Industrie.

Nach der erfolgreichen ersten Bürgerreise in die Partnerstadt Temeswar plant man z.Z. eine zweite für Ende September-Anfang Oktober 2012 (Flug), für die man sich anmelden kann und zusätzliche Informationen erhält.

Erwähnenswert ist auch, dass über die Bemühungen dieses Freundeskreises bis hinauf in die Regierungskreise das Weiterbestehen des Temeswarer deutschen Konsulats gesichert werden konnte.

Im Grußwort der Stadt Karlsruhe durch Bürgermeister Wolfram Jäger, der scherzhaft die Partnerschaft zwischen den beiden Städten schon als „altes Ehepaar“ bezeichnete, unterstrich, dass Partnerschaft durch die Menschen gelebt wird, durch Begegnungen, Feste, die die Herzen erreichen, ganz gleich, ob es sich um die Leistung Einzelner handelt oder um die der Vereine.

Der Honorarkonsul Rumäniens in Baden-Württemberg, Dr. Manfred Schmitz-Kaiser, informierte weiter über Wirtschaft und Politik in Rumänien, wobei er unterstrich, dass zwischen dem Rumänien von vor 20 Jahren und dem heutigen Welten liegen. Sein Fazit: Rumänien hat kreditgesteuert schöne Erfolge verzeichnen können, die leider durch die Wirtschaftskrise abgebremst wurden. Die radikalen Sparmaßnahmen der Regierung – Vorbild für manche andere Länder der EU – schaffen langsam Abhilfe. Die noch existierende Korruption fand Dr. Schmitz-Kaiser kulturbedingt und nur schwer und langsam zu eliminieren, obgleich die Antikorruptionskommission seiner Meinung nach gut funktioniere, besser als die in Bulgarien.

Wirtschaftswachstum gab es 2011 vor allem durch die Automobil- und die Zulieferer-Betriebe, wobei Baden-Württemberg in Rumänien sehr präsent ist. Bedauerlicherweise gehen viele hochqualifizierte IT-Fachkräfte aus Rumänien ins Ausland, weniger nach Deutschland, eher nach Kanada, Großbritanien...

Verbesserungswürdig ist vor allem die Infrastruktur des Landes: Autobahnen, Häfen und Flughäfen wie auch der Umweltschutz, wobei der Abruf der EU-Gelder aus Fachleutemangel schwierig erscheint. Um deutsche Journalisten vor Fehlmeldungen über Rumänien zu bewahren, hat der Honorarkonsul sie vor Ort auch andere Aspekte sehen und beurteilen lassen, außer Korruption, Straßenhunde, Schlaglöcher, Kriminalität auch Aufschwung, Sensorentechnik...

Stark exportabhängig, liegt die Hoffnung der rumänischen Wirtschaft auf der neuen Regierung, die im Sinne der EU hoffentlich das Richtige tut.

„Die StadtentwicklungTemeswars gestern und heute“ präsentierte Martin Rill, Leiter des Rumänischen Verbindungsbüros der L-Bank, indem er weit ausgriff, bis zur ersten dokumentarischen Erwähnung 1154 durch einen arabischen Schriftsteller. Anhand von Kupferstichen und alten Stadtplänen veranschaulichte er die verschiedenen Entwicklungsetappen der Stadt, ging auf osmanische Besatzung und entsprechende Baudenkmäler ein, auf Festungsbau, Einführung des Grundbuchs 1773 etc. Im Laufe der Zeit ist Temeswar stetig gewachsen, doch heute muss die Stadt dringend saniert werden und das erfolgt – für viele zu schleppend – durch EU-Mittel und durch lobenswerte private Unternehmen.

Die Festveranstaltung in der Karlsburg Durlach bot dem Auditorium viel Information über Rumänien und Temeswar, doch auch künstlerischen Genuss, denn nicht nur die Chormitglieder und ihre Leiterin gaben ihr Bestes, auch die Solistinnen Irmgard Holzinger-Fröhr und Melitta Giel beeindruckten zutiefst mit ihren wundervollen Stimmen, ihrem gekonnt-sängerischen Vortrag. Applaus und Blumen honorierten ihre Leistungen, kleine Wein-Geschenke aus der Region die der geladenen Referenten.

Im Anschluss an den offiziellen Teil der Feier erquickten sich alle an einem kleinen Imbiss und verschiedenen Getränken, tauschten Meinungen aus, freuten sich, dabei gewesen zu sein.

 

Schnee in Billed Ende Februar 2012

 

Volkszählung in Billed im Oktober 2011

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Temeswar bleibt landesweit Ortschaft mit den meisten Deutschen
Mittwoch, 08. Februar 2012

Nahezu 650.000 Bürger leben im Verwaltungskreis Temesch/Timiş. Dies ergaben provisorische Ergebnisse zur Volkszählung in Rumänien. Aus den Daten der Temescher Filiale des Statistikamtes geht hervor, dass zahlenmäßig die Deutschen den 4.Platz in der Hierarchie der Ethnien im Kreis Temesch belegen. 8497 Deutsche gibt es im Kreis (2002 waren es 14.229), die meisten davon (4173) leben in Temeswar, gefolgt von Lugosch, wo sich 744 Bürger als Deutsche bekannt haben, dann Hatzfeld mit 305, gefolgt von Großsanktnikolaus und Detta mit je etwa 250 registrierten Deutschen.

In den Dörfern und Gemeinden ist die Zahl der Deutschen mit zwei Ausnahmen auf unter 100 gesunken. In Triebswetter/Tomnatic sind 126 und in Großkomlosch/Comloşu Mare 111 (nur mit Ostern und Lunga zusammen möglich!, Anm. L. G.) Deutsche registriert. Zwischen 90 und 100 Deutschen wurden in ehemaligen Großgemeinden mit starker deutscher Bevölkerung gezählt: Das sind Lenauheim, Billed und Nadrag. Von den 8497 Deutschen im Kreis Temesch lebt weitaus die Mehrheit in den Städten. 6129 Personen sind da gemeldet, auf den Dörfern des Kreises leben der Statistik nach 2368 Deutsche.
Es sei ein „ernstes Gespräch im erweiterten Vorstand des Banater Forums notwendig, um gemeinsam mit den Ortsforen über die Zukunft unserer deutschen Gemeinschaft zu reden“, sagt Horst Martin, stellvertretender Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, nach Bekanntgabe der provisorischen Daten der Volkszählung. Er glaubt, man müsse sich zum einen Gedanken machen, aus welchen Gründen viele deren, die sich vor zehn Jahren als Deutsche angegeben, es im vergangenen Herbst nicht mehr getan haben („möglicherweise waren es auch ´Konjunkturdeutsche´“), zum anderen sei es erforderlich, Wege zu finden, „um an alle heranzukommen, die sich als Deutsche bekennen“.

Nach den Rumänen folgen in einer Rangordnung der Ethnien im Kreis Temesch die Ungarn, die Roma, dann auf Platz vier, wie gesagt, die Deutschen. Es folgen Ukrainer, Türken, Russen und Tataren. Fast 18.000 Bürger werden unter der Rubrik „andere Enthien“ geführt und 11.500 Bürger verweigerten die Angabe ihrer Volkszugehörigkeit.
Temeswar hat nahezu 304.000 Einwohner, in Lugosch leben knapp über 37.000 Bürger, in Großsanktnikolaus sind es 11.500 und in Hatzfeld 10.000.
Aus adz.ro http://www.adz.ro/artikel/artikel/auch-im-kreis-temesch-zahl-der-deutschen-ging-stark-zurueck/


 

Beim Ackern

von Peter Krier aus dem Heimatblatt 2011
01 Kulturarbeit
Ende April 1946, in die guten Stuben sind die Kolonisten eingezogen, mit ihnen teilen wir unsere Häuser. Feld, Vieh, Arbeitsgeräte, Handwerksbetriebe sind enteignet, wir sind der Zivilrechte beraubt; die Arbeitsfähigen sind nach Russland verschleppt, ehemalige Soldaten in Kriegsgefangenschaft. Wer von ihnen und von den nach Russland Deportierten noch lebt, ist ungewiss. Wir sind am Tiefpunkt unserer Geschichte.

RigoltpflugZigeuner Matzi ist auf dem Heimweg nach Knees. Der groß gewachsene Mann geht zügigen Schrittes, seine Frau, die ein kleines Kind auf dem Arm trägt, hastet ihm hinterher. Matzi steuert auf den Durchgang zwischen dem Sauerländerfriedhof und der letzten Häuserreihe auf die „Kleine Flur“ zu, als ihm beim Vorbeigehen am Haus unseres Nachbarn, Vetter Sepp, der Geruch von frisch­gebackenem Brot in die Nase schlug. Zwei schöne Laib Brot, unten weiß, die Mitte braun und die Oberhälfte schwarz glänzend, lagen auf der Brustmauer im Hof. Matzi blieb stehen, Appetit kam auf, Hunger haben Zigeuner immer. Er rief nach Vetter Sepp und bat um ein Stückchen Brot für sein Kind. Vetter Sepp meinte, nun sei doch Matzi selbst Bauer und bettle dennoch Brot von einem Besitzlosen. Ein Wort ergab das andere, Matzi war als ehemaliger Kämpfer in der rumänischen Armee tatsächlich beeignet worden und bot Vetter Sepp ein Stück Feld zur Pacht an. Das Feld befand sich laut Matzis Beschreibung in den „Kneeser Wissen“, gleich hinter der Brücke rechts. Vetter Sepp kannte das Flurstück. Man einigte sich darauf, dass die Pacht nach der Ernte „in natura“ bezahlt wird, allerdings musste Vetter Sepp einen Vorschuss in Geld leisten, dazu einen Laib Brot, ein gutes Stück Speck und eine halbe Flasche Schnaps. Ein weiteres Stück Speck und eine Flasche Schnaps sollte Matzi bei der Übergabe des Flurstücks erhalten. Es wurde ausgemacht, dass man sich am übernächsten Morgen an der „Kneeser-Wissen-Brück“ trifft und Matzi das ihm als Besitz zugeeignete Flurstück Vetter Sepp übergibt. Handelseinig trennte man sich. Doch bevor Matzi weiterzog, machte er sich über Speck, Brot und Schnaps her, alles wurde aufgezehrt, denn eines wissen Zigeuner: Der nächste Hunger kommt bestimmt.

Vetter Sepp hatte nominell den Postmeister als Kolonist einquartiert. Dieser hatte die ihm von der Requirierungskommission zugeeigneten Pferde, zwei „Füchse“, und sein sonstiges Agrarinventar bei Vetter Sepp untergestellt, wohnte aber weiter im Postmeisterhaus. Bauer wollte der Postmeister nicht werden, er wusste, dass man als Feldbesitzer noch lange kein Bauer ist. Das eine Pferd hat er bald verkauft. Der zweite „Fuchs“ hatte einen Klumpfuß, er blieb bei Vetter Sepp.
Wir hatten ein kleines emsiges Pferd gekauft, das ebenfalls nominell einem Rumänen gehörte. Angesprochen, beteiligten wir uns gerne an der Pacht und Bearbeitung des Flurstücks. Zusammen mit Vetter Sepp trugen Jakob, Vetter Sepps Enkel, und ich alles zusammen, was zum Ackern benötigt wurde, auch eine geschärfte Pflugschar hatten wir bei Nachbarn gefunden. Versuchsweise wurden Pflugkarren und Pflug zusammengebaut und - soweit möglich - die Einstellungen vorgenommen. Auch Mitzi, unsere kleine Stute, und Nelu, den Klumpfuß, haben wir probeweise zusammengespannt. Die Probe klappte.
Am festgesetzten Tag fuhren wir schon früh los und waren lange vor der ausgemachten Zeit am Treffpunkt. Zigeuner Matzi war, wie befürchtet, nicht da. Nun begann ein banges Warten. Gegen halb acht kam Hans Müller vorbei, der unterwegs war nach Knees. Müller hatte dort Bekannte in der Gemeinde- und Bezirksführung, er wollte Neuig­keiten über die politische Entwicklung erfahren. Zu Vetter Sepp meinte er, der Zigeuner würde wahrscheinlich nicht kommen und außerdem sei die Agrarreform und Feldaufteilung noch nicht abgeschlossen, da würde sich noch einiges ändern. Müller zog weiter Richtung Knees und wir warteten weiter auf Matzi. Nach etwa einer halben Stunde erschien dieser tatsächlich. Er zeigte uns die eingeschlagenen Pflöcke, die das ihm zugeteilte Feldstück auf einer Seite begrenzten, die anderen drei Seiten mündeten in Uferwiesen des Jerbaches, der hier in einem Bogen vorbeifloss. Vetter Sepp stellte noch fest, dass es sich bei der nutzbaren Fläche höchstens um ein dreiviertel Joch handelte, die Vermesser hatten Matzi reingelegt.

Wegen den Kriegsereignissen und der A­­grar­­­reform waren die Felder im Herbst 1944 und während des Jahres 1945 nicht bestellt werden. Auf dem brachen Acker standen verdorrte Maisstängel und meterho­hes verdorrtes Unkraut, dies mussten wir zu­nächst mit der Kettenschleife umbrechen und mehrmals drüberfahren, um es zu verkleinern. Als Vetter Sepp dann den Pflug ansetzte, klappte es noch nicht. Mehrmals musste er nachstellen, die Ketten zum Pflugkarren umhängen und die Auflage des Pflugbaumes verstellen, bis Zug und Sohle den Pflug in gleichmäßiger Tiefe bei gleicher Furchenbreite führten. Wir mussten dabei unter Anleitung von Vetter Sepp mithelfen. Vetter Sepp war klein von Wuchs, hatte aber, wie alle Bauern, kräftige Arme und große Hände, mit denen er die Pflughörner fest führte. Wir Buben durften uns beim Führen der Pferde abwechseln.
Mittag war gut vorbei, als Hans Müller von Knees zurückkam. Er rief Vetter Sepp zu: „Kannscht nohlosse, das Feld geft nomol verteelt, dir werd do ke Kukruz fechse“. Müller sagte, er habe dies von einem Freund des Präfekten in Knees gehört, die Landwirtschaft würde nach russischem Muster organisiert. Vetter Sepp hörte ihm ruhig zu und sagte dann: „Wescht Hans, Vattr es keene do, ke Mottr aa net. Ich senn nor Bauer, ich leer die zwaa ackre, das kann niks schaade.“

Müller ging seines Weges, wir ackerten wei­ter. Nun durfte ich den Pflug führen, Vetter Sepp achtete darauf, dass die Furchen gerade wurden. Längst war das Wendbrett poliert und glänzte silbern in der Nachmittagssonne. Dunkelschwarz glänzend legten sich die Furchen gleichmäßig aufeinander, der besondere Geruch der frisch gepflügten Erde vermengte sich mit dem frischen Frühlingswind. Die Sonne stand schon tief im Westen, als wir die letzte Längsfurche zogen, doch fertig waren wir noch nicht. Noch zehn Querfurchen mussten an jedem Ende des Ackers gezogen werden. Uns reichte es, wir waren müde und wollten heim. Vetter Sepp ließ sich Zeit, er betrachtete das Tagwerk, als wäre es ein Kunstwerk. Gemächlich nahm er neben uns Platz auf dem Wagensitz und griff nach den Zügeln. Es dunkelte schon, als wir die Anhöhe bei den Bergwingerten hochfuhren, es war kühl geworden und wir froren, Hunger hatten wir auch. Vetter Sepp aber saß ohne Jacke neben uns, war gut gelaunt. Mir schien es, als sänge er ganz leise ein Lied, nur für sich.

Nachtrag: Wir haben dort noch Mais gesetzt und gehackt, aber keinen geerntet. Doch diesen Ackertag habe ich nie vergessen. Viel später, als ich bei Martin Luther den Satz las: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen“, verstand ich Vetter Sepp und seine Lektion vollkommen.