Ich bin ein Billeder !


Über Martin Mettler

Martin Mettler wurde am 24. März 1936 in Gertianosch im rumänischen Banat geboren, von 1956 bis 1960 studierte er in Temeswar Mathematik und Physik und war ab 1960 Professor in diesen Fächern am Lyzeum in Oberwischau und an der deutschen Abteilung des „Brediceanu Lyzeums“ Lugosch. 1959 heiratet er Katharina Rugel aus Billed, 466. 1975 siedelten sie in die Bundesrepublik Deutschland um und er wurde Studienrat und später Oberstudienrat am Karolinen-Gymnasium Frankenthal. Ab 1983 unterrichtete er am Elisabeth-Langgässer-Gymnasium Alzey, von 1993 bis 1998 war er beim Auslandsschuldienst in Ungarn.

Bereits als Schüler war Martin Mettler Mitarbeiter der rumänischen Mathematik-Zeitschrift für Schüler „Gazeta Matematica“ und erfolgreicher Teilnehmer an den Mathematik-Olympiaden.
1986 bis 1988 war er einer der Initiatoren des Landeswettbewerbs Mathematik Rheinland-Pfalz, der wesentlich zur Bestimmung der Ziele, der Inhalte und der Organisationsstrukturen des Wettbewerbs beitrug, und sorgte von 1989 bis 1993 als dessen Leiter durch sein unermüdliches Wirken für die Etablierung des Wettbewerbs als die „Förderungsveranstaltung in Rheinland-Pfalz“ auf mathematischem Gebiet für Schülerinnen und Schüler aus Unter- und insbesondere Mittelstufe. Dazu gehört auch die Mitarbeit Martin Mettlers in den Aufgaben-Kommissionen des Bundeswettbewerbs Mathematik und der Mathematik-Olympiade. Für seine hervorragenden Leistungen in der Anregung von Schülerinnen und Schülern zu besonderen naturwissenschaftlichen Interessen verlieh ihm am 12. Dezember 2003 die Karl Heinz Beckurts-Stiftung in der Münchener Residenz den Lehrerpreis 2003.
Leider war es Martin Mettler nicht mehr vergönnt, das 25-jährige Jubiläum seiner Zeitschrift MONOID zu erleben. Er verstarb am 11. September 2005 nach schwerer Krankheit in seinem Heim in Carlsberg.

(siehe auch In Memoriam Martin Mettler )

Die neigerich Wes Marrei

Es muss im Frühjohr 1958 geween sin. Ich war iwwer Kopp un Hals verknallt, in´s Kathi aus Billed. Mer han uns a immer, gar net so heimlich, in der Stadt getroff, un es war alles arich scheen un gut.

Die Billeder han tamals noch nix vun uns zwaa gewisst. Awwer jetz is die Sach ernscht gen.
Tem Kati sei Erzkumrade, et Pewi un de Peder hade die Kathi zu ehre Hochzeit ingelad. Weil´s Pewi awwer vun mer gewisst hat – wie tes sich ach gheert uner echte Freindinne - hat´s sich getenkt, tass ich doch aach gere trbei sin tet, un so han se mich halt aach ingelad. Was soll ich to noch weiter verzähle. Unser Freed war arich groß. Mer han uns aa richtich for te Ehretach vorbereit, fascht nix vergess.

Zu tem Anlass sin ich tan am Sondach in aller Herrgottsfrih mit´m Zug uf Billed gfahr. Et Kathi hat mich selbstverständlich uf te Bahn abghol. Na jetz hat´s nimmi lang gedauert, bis´s ganzi Dorf gewisst hat, tass et Kathi ene aus te Fremd hat. Nor allzu viel Einzelheite iwwer mich han se net erfahre.
Mer sin tan aach schließlich bei ihne terhem in ter Altgass ankumm. Ich sin ter Mutter un ter Oma, wie´s sich gheert, vorgstellt worre, un es hat sich wieder alles beruhigt.

Paar Heiser weiter hat e aarich neigerich, awwer gschäftich Nochbersch, die Wes Marrei, gewohnt. Sie hätt sich toch te junge Mann so geere nägschter angschaut. Awwer schließlich konnt se jo net mit ter Tir in´s Haus falle. Un es wollt un wollt ihr ke verninftiche Grund infalle, et Agnes (tes war te Kati ehre Mutter) ufsuche misse. Wie sollt se tes nor mache ?
Awwer net tass ter ment, die Wes Marrei war uff te Kopp gfall. Pletzlich hat se´s ghat.
Sie hat ehre Scherz zurecht gezoo, ehr Kopptuch gericht´un is schnurstracks zu uns riwwer komm. Tan hat se e verkrumpelte 25-er aus ehr´m Rockesack gezoo un gsaat: „Griß tich Agnes, kannscht tu mer net mol te 25-er to wechsle, weil ich tringend Kleengeld brauch ?“

(HB 2002)

E Vor- und e Nochspiel zu „Ti neigerich Wes Marrei“

Hallo Herr Mettler,
im Billeder Heimatblatt 2002 uf ter S. 63 les ich etwas iwwer ti wes M’reiche. Wann tes tie Wes M'reiche aus ter Altgass war, no hat die Sach ach noch a Zwische- un a Nohspiel.
Bevor nämlich tie Wes M'reiche zu t’r Agnes komm is, war se noch beim Josep, wo se zum erschte Mol die 25 Lei gwechslt hat, gsieht dann torchs Fenschter, tass sich bei t'r Agnes was tut un ment: Josep, kannscht mr de 25-er wieder gen, de wechsl ich liewer bei d'r Agnes.

Dann war do noch a Sach, wo m'r jetz do driwer gret han, saat doch em Josep sei Tochter, et Lissi: „Es war etliche Zeit no der Angelegenheit mit dene 25 Lei un grad Kerweih, Blechmusik un viel Leit uf t'r Gass un wie tes halt so is war ach t'r Wes M'reiche ihr Enkel mit seiner Zukünftichi (ach a Auswertsiche) un t'r ganz Familie vor tem Gassetor. Un dann komme to zwa un froe rotzfrech ob tie Wes M'reiche ihne net a 25-er wechsle kennt.
Mer soll doch net menne! Et Lissi, mei eigeni, leib­haftiche Schwester, behauptet, tas were te Martin un te Sepp gewen. Er­in­nerscht du dich noch? Ich net!
Doch genug der Blödeleien. Dabei haben wir Eure E-Mail-Adresse entdeckt und wir möchten Euch nun herzliche Grüße senden

Hedi & Seppi aus Billed

Der Opfergang

Nohmittachs war no die Hochzeit. Mer ware rechtzeitig hin gang.
Mer han die scheen Braut un te schnittiche Breitigam bewundert un was mer halt so tut vor eb‘s losgeht. Ausser tem Prautpaar, ’m Susi un ’m Aurel, die wu grad iwwer ter Gass vum Kathi gewohnt han, han ich jo niemand gekennt; trum hat‘s Kathi mich ehre Freindinne un Kumrade vorgstellt.
Tas war jo aach in Ordnung un ich han mehr getenkt: Werscht se schon noch nächschter kenne lehre.

Uf emol is’ es tan losgang, in die Kerch. Tort hat aa alles geklappt, pis uff ens: Aso, wann mer te Opfergang macht, tes heescht, wann, nochtem es Prautpaar getraut is, um te Altar gang wert, un wann mer widder raus kommt, no steht tort e Tatzn, wo mr tes Klinglbeitl- Geld truff leje soll.
Tes han die Pharre sich gut infalle geloss, to kann nämlich jeder gsiehn, was mer uff die Tatzn geleet hat, net so wie beim Klingelbeitl, wo wege ter Nuschlerei net mol te Nochber wees, was mer nin geworf hat.
Aso, wie es losgeht um te Altar, to bemerk ich, tass ich mer ke Kleengeld for te Zweck zurechtgeleet han – wie tes so is, ich han jo te Suntachsanzug an ghat un to war nix in te Säck. Sicher haat ich mei Brieftasch terbei, awwer to ware nor zwa 25-er drin. Tamals hat mer als enfache Mensch 1 Lei, hechschtens 2 Lei truff geleet.

Trhem, in unsrer Kerch, wär tes sicher ke Problem geween, to hät ich halt jemand, ter graat in ter Näh war, en Klingelbeitl- Kreizer verlangt. Awwer to, in ter Fremd, wo ich toch niemand so gut kenn, to geht tes toch net.
Ich war jetz hin un hergeriss, ob ich net villeicht gar nix truff leje sollt, awwer tes hat mer aa iwwerhaupt net tas richtich zu sin gschiehn; allzuschnell ware mer am Rauskumme un to han ich te 25-er aus ter Brieftasch gezoo un ne uff die Tatzn falle geloss – ich muss gstehn, es tut mer heit noch leed. E 25-er tut jo net mol te Richter in te Klinglbeitl.

Am nächschte Tach hat jeder‘s gewisst: „Tes Kathi hat sich schon te Richtiche an Land gezoo, ter kommt bestimmt aus eener gut Familie, so spendabl; ter hat toch wirklich e 25-er uff die Tatzn geworf.“
Heit san ich mer awwer immer wieder: „Die Investition vun tamals hat sich toch gelohnt“.

(HB 2002)

Einer von unseren

Wir erlebten gerade die ersten Weihnachtsferien im Westen. Es war alles neu, neu, neu... Wir waren von allem so sehr überwältigt, dass uns eine tiefe Ehrfurcht befiel, eine Unsicherheit, ja man kann ruhig Schüchternheit, Untertänigkeit, Ängstlichkeit sagen. Dem entsprach auch unser besonders artiges Benehmen.

Weihnachten verbrachten wir bei den Schwiegereltern am Schliersee in Oberbayern und genehmigten uns auch drei Tage Wien, weil ich immer sage: Jeder Banater Schwabe sollte unbedingt drei kulturelle Höhepunkte in der Metropole der k.u.k Monarchie erlebt haben: einen Operngenuss in der Wiener Oper, einen Abend im Burgtheater und eine Operette im Volkstheater.
Am letzten Abend: „Der Prinz von Luxemburg“ im Volkstheater. Wir waren selbstverständlich rechtzeitig da, eine gute halbe Stunde vor Beginn der Aufführung.
Wir genossen die Atmosphäre im Foyer und blätterten im Programmheft. Nur ab und zu hoben wir uns zaghaft aus unserer gebeugten Haltung und beobachteten das Verhalten der anderen, der Einheimischen, derjenigen, die „berechtigter“ waren „dort zu sein“, fielen aber schnell wieder in unsere geduckte Haltung zurück... uns zaghaft aus unserer gebeugten Haltung und beobachteten das Verhalten der anderen, der Einheimischen, derjenigen, die „berechtigter“ waren „dort zu sein“, fielen aber schnell wieder in unsere geduckte Haltung zurück...

Irgendwann bemerkte ich, dass an den Wänden eine Bildergalerie hing und sagte zu meiner Frau: „Komm Muttchen, wir schauen uns die mal an. Wahrscheinlich sind das berühmte Schauspieler und Regisseure.“
Sie jedoch meinte: „Wir kennen diese Persönlichkeiten sowieso nicht.“ „Das macht doch nichts. Wir haben doch die schönste Zeit dazu.“
Und schon standen wir vor dem ersten Bild. Das kam mir doch irgendwie bekannt vor. Und wir lasen: Adam Müller Guttenbrunn, Begründer des Volkstheaters.
Daraufhin sagte ich: „Aber jetzt stramm gestanden, Muttchen! Das ist einer von unseren!“ Wir richteten uns auf und drehten, erhobenen Hauptes, eine Runde durch die Galerie und waren ungemein stolz.

(HB 2004)

„Ich bin ein Billeder!“ Mit Matthew und Rita Rugel aus den USA in Billed

In Borough of Butler im Staate New Jersey der Vereinigten Staaten lebt ein großer Clan, der seine Ursprünge in Billed zu suchen hat. 1923 zog nämlich Matthias Rugel (Hausnummer 630) mit seiner Frau Barbara und seinem Sohn Jakob nach Amerika und ließ sich in Butler nieder. Dort bekamen sie einen weiteren Sohn Matthew (er nennt sich gerne echt schwowisch Matz).
Von Jakob gibt es keine Nachkommen, da er katholischer Priester wurde.
Der Chemiker Matthew gründete eine Familie und bekam 7 Kinder. Diese wiederum gründeten weitere 7 Familien, die ebenfalls von vielen Kindern gesegnet wurden, so dass zur Zeit der Rugel-Clan in NJ bereits 28 Mitglieder zählt.

Im Frühling 2001 wollte nun der zur Ruhe gekommene Clan-Chef Matz seine Herkunft klären. Er erkundigte sich bei der Heimatortskartei, bei Sepp Herbst, ob es noch irgendwelche Nachkommen von den Rugels gibt, worauf er die Auskunft bekam, dass tatsächlich eine Katharina Mettler geb. Rugel in Verwandtschaft mit ihm sein müsste. Kathi wusste nichts von der Verwandtschaft in den USA.

Dank des Ortssippenbuches Billed 1765-2000 von Hans Wikete fanden wir aber leicht heraus, dass Matz ein Onkel von Kathi ist.
Ja ist es denn möglich, dass man nicht einmal seine Onkel kennt? Wie man sieht: Ja.
Das liegt daran, dass der Urgroßvater Peter (1854-1917) drei Frauen (selbstverständlich der Reihe nach) hatte: Catharina, Agnes und Elisabetha. Kathis Großvater stammt von Agnes und Matzens Vater von Elisabetha, sie waren also Stiefbrüder; da die eine Linie auch noch ausgezogen war, geriet sie in Vergessenheit.
Hätten wir nun nicht die Möglichkeit gehabt in dem Buch nachzusehen, so hätten wir nie herausgefunden, dass es in New Jersey nur so von Nachkömmlingen der Rugels „wuwwelt“.

Sepp Herbst vermittelte nun die direkte Kontaktaufnahme und so kamen wir in den elektronischen Briefwechsel. Wir kamen uns auf Anhieb näher und, weil Matz so sehr an seinen Ursprüngen interessiert war, luden wir ihn und seine Frau Rita nach Deutschland ein, um von hier zusammen eine Fahrt in die alte Heimat zu machen.
Es hat auch alles wunderbar geklappt und so kamen wir Ende August nach Billed. Matz war sehr aufgeregt, begeistert und froh, dass er nun endlich doch noch Billed sehen und kennen lernen konnte.

Durch die nicht zu übertreffende professionelle Führung seitens des Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Billed, Herrn Adam Csonti, und die hervorragende Bewirtung seitens seiner Frau Roswitha wurde den beiden Gästen die Banater Gastfreundlichkeit und Art sofort klar.
Auf den beiden Friedhöfen haben wir die Grabsteine der Rugels und die der Gänglers (das sind Matzens Vorfahren mütterlicherseits) ausfindig gemacht. Dabei hat sich herausgestellt, dass Matzens Gängler Opa noch tapferer als sein Rugel Opa war, er hatte nämlich gleich vier Frauen. Mein lieber Scholly, das sind vielleicht Vorfahren!
Auch die Kirche, das Kriegerdenkmal, der Kalvarienberg und das Haus des Forums haben beeindruckt; genauso begeistert waren die Gäste auch von der einfachen Fahrt durch die Straßen des Dorfes, auf die Hutweide und auf`s Feld. Schade nur, dass an der Stelle des Elternhauses von Matz gerade eine Baustelle ist. Das Haus wurde abgetragen, weil es baufällig war. Die jetzigen rumänischen Hausbesitzer hatten glücklicherweise das alte Haus noch mal fotografiert. Und wieder einmal kam die Gastfreundlichkeit der Banater zur Geltung: Sie schenkten ihm zum Trost das Photo.

Alles in allem: Der Aufenthalt in Billed war so schön, dass Matz beim Abschied, ohne irgendjemanden nachahmen zu wollen, einfach ausrief: „Ich bin ein Billeder!“
Selbstverständlich hatten wir mit unseren Gästen außer dem Besuch in Billed auch andere Ziele und zwar die Metropole des Banats Temeswar, die Banater Kulturstadt Lugosch, eine Fahrt zum Eisernen Tor an der Donau bei Orschowa, wo zur Zeit einige Künstler dabei sind, das Antlitz von Decebal in einen Felsen zu meißeln; dann Brancusis Säule der Unendlichkeit, sein Tor des Kusses und sein Tisch des Schweigens in Tg. Jiu. Leider begegnete uns auch der Zerfall der industriellen Anlagen in Petrosani und dem Jil-Tal. Über Sarmisegetuza und Karansebesch kamen wir dann wieder zurück nach Billed.

Eine kurze Reise, ein kleiner Blick in das Rumänien von heute. Ein nächstes Mal wird es sicher geben, da Rita und Matz das Banat so wie auch Rumänien und insbesondere die Freundlichkeit, mit der sie überall aufgenommen wurden, sehr gefallen haben.

(HB 2001)

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